Von Frank Schmidt-Wyk
Ein Großbrand auf dem Gelände der Recyclingfirma Knettenbrech + Gurdulic an der Ecke Industriestraße/Sauerwiese im Mombacher Industriegebeit hat Mittwochabend mehrere hundert Tonnen Altholz, Gewerbeabfall und Sperrmüll vernichtet. Menschen kamen nicht zu Schaden. Weil die Flammen direkt in eine über das Gelände verlaufende Hochspannungsleitung der Kraftwerke Mainz-Wiesbaden (KMW) züngelten und zeitweise Gefahr bestand, dass die Leitungen schmelzen und herunterkommen, sperrte die Polizei das Gebiet ab. KMW nahm die 110.000-Volt-Leitungen umgehend vom Netz. Ein Blitzeinschlag gilt als wahrscheinlichste Brandursache. Zu Beeinträchtigungen der Stromversorgung kam es nach Stadtwerke-Angaben nicht.
Gegen 19.40 Uhr gingen bei Polizei und Feuerwehr über 60 Alarmmeldungen aus dem gesamten Stadtgebiet ein. Die gewaltige Rauchwolke über dem Mombacher Industriegebiet war weithin sichtbar, sogar von der anderen Rheinseite aus. Zu diesem Zeitpunkt entlud sich ein starkes Gewitter im Mainzer Raum. Im Laufe des Abends trieb der starke Wind die riesige Rauchfahne über die Ingelheimer Aue und über den Rhein, sodass sogar die Wasserschutzpolizei alarmiert wurde, weil einige Augenzeugen irrtümlich annahmen, auf dem Rhein sei ein Schiff in Brand geraten.
Vor Ort stellte sich heraus, dass auf dem Gelände des Recyclingcenters von Knettenbrech + Gurdulic ein Haufen Müll auf etwa 2.500 Quadratmetern in Flammen stand. Die Feuersäulen züngelten auf breiter Front zeitweise deutlich mehr als zehn Meter hoch. Die Feuerwehrleute bekämpften die Feuerwand von mehreren Seiten, erzielten jedoch zunächst wenig Wirkung. Im Einsatz waren rund 100 Einsatzkräfte der Feuerwehr mit etlichen Fahrzeugen, 20 Polizeibeamte, die den Brandort abriegelten und sicherten, sowie Mitarbeiter der Rettungsdienste.
Inferno war von Wiesbaden aus zu sehen
Laut Geschäftsführer Steffen Gurdulic, der das Inferno von Wiesbaden aus gesehen hatte und umgehend in seinen Betrieb geeilt war, brannten etwa 250 Tonnen unlackiertes Altholz und 100 Tonnen Gewerbeabfall, darunter Verpackungen, außerdem Sperrmüll. In dem Wertstoffhof werden Abfälle angenommen, umgeladen und der Müllverbrennung auf der Ingelheimer Aue zugeführt, außerdem wird Altholz und Sperrmüll aufbereitet, wie Gurdulic erläuterte. Zehn Mitarbeiter seien auf dem Gelände beschäftigt, die letzten seien um kurz vor 19.30 Uhr nach Hause gegangen. Abschließend habe der Betriebsleiter noch mal kontrolliert, ob auf dem Areal alles in Ordnung ist.
„Ich gehe fest von einem Blitzeinschlag als Brandursache aus“, bekräftigte Gurdulic; Brandstiftung sei auszuschließen. Polizeisprecher Achim Hansen, ebenfalls vor Ort, drückte sich vorsichtiger aus, bezeichnete einen Blitzeinschlag aber als plausibel, das passe auch vom zeitlichen Rahmen. Eine endgültige Einschätzung gebe die Polizei erst ab, wenn die Ermittlungen abgeschlossen seien.
Zeugen bezweifeln Blitzeinschlag
Mehrere Zeugen indes, sagen, sie hätten die Rauchsäule schon vor den ersten Blitzen gesehen, um kurz nach 19.30 Uhr. Auch die Bilder der Web-Cam der Universität Mainz belegen dies.
Den Schaden schätzte Gurdulic auf etwa 200.000 Euro, durch das Feuer sei auch eine benachbarte Halle beschädigt worden. Man lasse den Müllberg jetzt kontrolliert abbrennen, am Donnerstag werde aufgeräumt und am Freitag der Betrieb wieder aufgenommen, erklärte Gurdulic gegen 21.30 Uhr.
Am Abend wurde die Mombacher Bevölkerung aufgefordert, Fenster und Türen geschlossen zu halten, dies ist laut Hansen aber nur wegen der anhaltend starken Rauchentwicklung geschehen. Es seien keine Gefahrstoffe ausgetreten, Messungen der Feuerwehr hätten dies eindeutig bestätigt.
Einzelne Glutherde brannten noch bis in die Morgenstunden des Donnerstags.
Sie haben Bilder von dem Feuer gemacht? - Schicken Sie uns Ihre Fotos an online@vrm.de Die Teilnahmebedingungen finden Sie rechts verlinkt.

