INTERVIEW Laborantin Elke Schmitt über ihre Arbeit als freiwillige Ausbilderin in Burundi
Elke Schmitt (57) ist Chemielaborantin und lebt in der Nähe von Frankfurt. Durch Zufall erfuhr sie von der neuen Human Help Network PTA-Schule in Burundi. Als sie hörte, dass die Schule ein Minilabor aus Deutschland geschenkt bekommen sollte, entschloss sie sich, den Auszubildenden dieses ihr bereits bekannte Mini-Labor vorzustellen. Inzwischen ist aus ihrer spontanen Hilfe eine wesentliche Unterstützung für den neuen Ausbildungsweg geworden, zwei Mal war sie schon in der Schule, die mit Geld aus der Mainzer Kinderhilfsorganisation Human Help Network betrieben wird. HHN feiert in diesen Tagen sein 20-jähriges Bestehen. Und Elke Schmitt kann sich gut vorstellen, ihre ehrenamtliche Tätigkeit fortzusetzen.
Sie helfen in ihrem Urlaub?
Ja. Ich habe das als eine sinnvolle Tätigkeit angesehen, die mir viel Freude, Motivation und Energie gegeben hat. Vor allem die Möglichkeit, Menschen in einem anderen Land und Erdteil etwas näher kennen zu lernen. Für mich persönlich ist diese Art „Urlaub“ eine große Bereicherung.
Wie haben Freunde und Familie reagiert?
Die Familie hat es sehr positiv aufgenommen. Im Freundeskreis waren die Reaktionen zum Teil enttäuschend. Sowohl Desinteresse als auch Unverständnis.
Was haben Sie während ihres ersten Aufenthaltes unterrichtet?
Wir haben das Thema Arzneimittelfälschungen und Arzneimittelsicherheit besprochen und welche Möglichkeiten es zur Überprüfung von Arzneimitteln, die speziell in der Dritten Welt eingesetzt werden, gibt. Dafür stand uns das Minilab zur Verfügung. Dann haben die Schüler im Labor pipettieren und wiegen geübt und ebenso die Untersuchungsmöglichkeiten des Minilabors ausprobiert.
Wie haben Sie Burundi erlebt?
Es gibt viele, viele Kinder und man sieht wenig alte Menschen. Es gibt immer noch viel Militär auf den Straßen und abends nach Einbruch der Dunkelheit sollte man aus Sicherheitsgründen nur mit dem Taxi unterwegs sein. Da es keine Straßenlampen gibt, sind die Straßen dunkel und man sieht sowieso nichts. Ich habe mich tagsüber aber nie unsicher oder bedroht gefühlt.
Wie war es mit den Schülern?
Die weißen Kittel sind ihr ganzer Stolz und wir mussten viele Fotos machen. Alles was neu war, war interessant. Jeder wollte zum Beispiel den Wecker im Minilabor ausprobieren. Die Schüler sind sehr diszipliniert und sehr interessiert. Wir hatten auch viel Spaß mit ihnen.
Gab es ausreichend Vorkenntnisse?
Ich glaube, dass ein Drittel der Schüler wenig Probleme hatte, ein Drittel mitkam und ein Drittel größere Schwierigkeiten mit dem Lehrstoff hatte.
Wie klappte die Verständigung?
Während des Unterrichtes waren der Englischlehrer und der Pharmazeut dabei, die in Französisch oder Kirundi übersetzt haben. Da ich fast kein Französisch spreche, war eine Verständigung außerhalb des Unterrichtes nur mit den Englisch sprechenden Schülern möglich. Das bedaure ich sehr. Aber eine Verständigung ist auch mit den Händen möglich, wenn man will.
Was planen Sie für den nächsten Burundi-Aufenthalt?
Ich bleibe drei Wochen. Nathalie Koussobe wird mit den Schülern Arzneimittel herstellen und ich werde sie gemeinsam mit den Schülern analysieren.
Hat der PTA-Beruf in Burundi Zukunft?
Ja, es besteht ein großer Bedarf an ausgebildeten Fachkräften. In Apotheken, medizinischen Labors, Krankenhäusern und in der Herstellung von Arzneimitteln. Das Land hat durch den Krieg keine Möglichkeit gehabt, sich weiter zu entwickeln. Eine Pharmaindustrie gibt es in Burundi nicht mehr. Ich wünsche mir, dass ich mit meiner kleinen Hilfe etwas dazu beitragen kann, den Menschen die Möglichkeit zu geben, ihr Leben mit der Schule und der Ausbildung selbst in die Hand zu nehmen. Ich nenne es: Hilfe zur Selbsthilfe.
Das Interview führte Vanessa Hepp

