Montag, 13. Februar 2012 07:07 Uhr
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Allgemeine Zeitung

Mainz 

„Wir wollen uns nicht einmauern“

19.05.2010 - MAINZ

Von Kirsten Strasser

SYNAGOGE Nach Brandanschlag in Worms geht in der Jüdischen Gemeinde Mainz die Angst um / Polizei verschärft Sicherheitsmaßnahmen



Nach dem Brandanschlag auf die Synagoge in Worms in der Nacht zum Montag (wir berichteten) hat die Polizei die Sicherheitsmaßnahmen für alle jüdischen Objekte im Bereich des Präsidiums verschärft. Auch die noch im Bau befindliche neue Synagoge in der Mainzer Neustadt wird seit der bislang unaufgeklärten Tat stärker überwacht. „Wir haben sofort reagiert“, sagt Klaus Mohr, Leiter der Kriminaldirektion Mainz und Chef der „Soko Ruhe“, die intensiv mit der Aufklärung des Anschlags in Worms beschäftigt ist. Einzelheiten zur Überwachung der neuen Synagoge möchte Mohr aus taktischen Gründen nicht nennen. Die „abscheuliche Tat“ habe die Polizei getroffen „wie ein Blitz aus heiterem Himmel“, sagt Mohr. Ermittelt werde nach allen Seiten, einen „griffigen Tatverdacht“ gebe es bislang nicht.

Und so bleiben die Hintergründe, das Motiv des Anschlags im Dunkeln - das ist etwas, das den Mitgliedern der Jüdischen Gemeinde schwer zu schaffen macht. „Wir wissen nicht, wer dieses Gegenüber ist - das macht die Auseinandersetzung mit diesem Vorfall so schwierig“, sagt Stella Schindler-Siegreich, Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde in Mainz. Und so reagieren die Menschen auch hier mit Angst, Bestürzung, Trauer.

Die Gemeinde stehe in Kontakt mit der Polizei, sagt Schindler-Siegreich - auch wenn man einen kommerziellen Sicherheitsdienst engagiert habe, sei es deren Aufgabe, die Gemeinde und deren Objekte zu schützen. Streifenwagen fahren nun öfter am Neubau vorbei; das habe sie auf der Baustelle gestern erfahren“, erzählt Schindler-Siegreich. Auch grundsätzlich sei ein zufriedenstellendes Sicherheitskonzept umgesetzt worden. „Aber man hat bei dem Neubau der Synagoge ganz bewusst darauf verzichtet, sich einzumauern“, sagt die Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde. „Auch ich will nicht hinter Mauern, hinter Stacheldraht leben - aber ich will mich auch sicher fühlen, wenn ich in der Synagoge, im Gemeindezentrum bin.“ Jetzt würden Stimmen laut, die verschäfte Maßnahmen forderten, zum Beispiel Videoüberwachung.

Was an Sicherheitsvorkehrungen sinnvoll und machbar ist, wurde realisiert, meint Herbert Heidel, Vorsitzender des Kuratoriums zur Förderung eines Jüdischen Gemeindezentrums; nur bei der Planung des offenen Vorplatzes habe er Bedenken. Aber er weiß auch: „Absolute Sicherheit gibt es nicht.“


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