Von Christopher Braun
„Wir müssen uns sehr im Klaren darüber sein, dass wir durch Veränderung der Ökosysteme letztlich unsere Existenzgrundlage zerstören,“ schloss Dr. Christiane Roscher ihren knapp einstündigen Vortrag. Die Forscherin vom Jenaer Max-Planck-Institut referierte im Erbacher Hof zum Thema Biodiversität. Der Titel ihres Vortrags „Was wir riskieren. Der Wert der Artenvielfalt“ deutete die alarmierenden Befunde ihrer Forschungen an. Etwa 200 Zuhörer hatten sich zum neunten Teil der „Klimazeitreise“ eingefunden.
Christiane Roscher beschäftigt sich mit Biodiversität; sie hat das Jena-Experiment zur Artenvielfalt geleitet. Darin wird der Zusammenhang zwischen Artenvielfalt und den Funktionen eines Ökosystems erforscht. Ökosysteme, so die Forscherin, bieten Menschen verschiedene „Servicefunktionen“ – beispielsweise liefern sie Wasser und saubere Luft; sie haben regulative und kulturelle Funktionen. Der Begriff der Biodiversität ist erst fünfzehn Jahre alt, aber sehr relevant: Er meint die Summe aller „biotischen Variationen“, also die Vielfalt der Ökosysteme, der Arten und der innerartlichen genetischen Variation.
Insgesamt gibt es auf der Welt zwischen zwei und 30 Millionen Arten; die Forschung ist sich darüber uneins. Fest steht aber, das ein Großteil der existierenden Arten bislang noch unentdeckt ist. Und noch eines steht fest: „Man muss davon ausgehen, dass sich die Artenzahl verringert.
Schätzungsweise sterben täglich zwei bis 130 Arten aus. Das ist bei den Säugetieren eine Verhundertfachung der „Auslöschungsrate“ gegenüber Schätzungen über die fossil dokumentierte Vergangenheit. Die Biodiversität nimmt also drastisch ab. Die Ursachen hierfür sind vor allem an einer Stelle zu suchen, warnt Roscher: In der ausgreifenden Landnutzung durch den Menschen.

