Von Andreas Schröder
Wie funktioniert der Treibhauseffekt genau, welche Einflüsse sind der Wissenschaft bekannt und was würde passieren, wenn die Menschheit schädliche Emissionen am nächsten Sonntag stoppen würde? Nach den Langzeitbetrachtungen der vergangenen Vorträge widmete sich Dr. Johannes Quaas vom Max-Planck-Institut (MPI) für Meteorologie in der Reihe „Klimazeitreise“ den Klimaprozessen der Gegenwart.
„Die Erderwärmung steht wissenschaftlich nicht zur Debatte“, betont Quaas. Eigentlich sollte sich der Energiehaushalt des Systems Erde im Gleichgewicht befinden. In Form von Sonnenstrahlen aufgenommene Energie würde dann als Wärmestrahlung wieder ins Weltall abgegeben werden. Aber spezielle Gase halten die Wärmestrahlung in der Atmosphäre zurück: die Treibhausgase.
Das bekannteste ist Kohlenstoffdioxid, das wichtigste dagegen Wasserdampf. Die bestehende Erwärmung führe zu zusätzlicher Verdampfung auf den Ozeanen, so Quaas. Zurzeit mache der Wasserdampf 50 Prozent des Treibhauseffektes aus. Der Meteorologe sprach von einem positiven Feedback auf den Treibhauseffekt.
Abkühlende Wirkung von Aerosolen
Ein negatives Feedback, also eine abkühlende Wirkung, vermutet Quaas durch die Wolken. Mit Sicherheit abkühlend wirkten die so genannten Aerosole, also Schwebestoffe wie Schwefel oder Ruß. Deren Einfluss ist so groß, dass ein plötzlicher Stopp aller Emissionen sogar zu einer Erhöhung der globalen Durchschnittstemperatur von bis zu einem Grad führen könnte. Grund ist die kurze Lebensdauer der abkühlenden Aerosole. Nach nur sieben Tagen seien sie verschwunden, die Treibhausgase würden dagegen für weitere hundert Jahre in der Atmosphäre wirken.
Enorme Publikumsresonanz
Besonders der Effekt der Aerosole stieß auf das Interesse der Zuhörer. Nach dem Vortrag entwickelte sich eine Diskussion um die Frage, ob dieses Phänomen bewusst eingesetzt werden könne.
Wie auch bei den vergangenen Vorträgen war die Resonanz des Publikums enorm. Der Saal des Hauses am Dom war komplett gefüllt. Ursprünglich sollte Quaas in einem kleineren Saal des Erbacher Hofs sprechen. Aus Platzgründen hatten sich die Organisatoren für das Haus am Dom entschieden. Der nächste Vortrag am 28. Oktober wird allerdings wie gewohnt im Ketteler-Saal des Erbacher Hofs stattfinden.

