Von Andreas Schröder
Ein Castor rollt durch Mainz: Mit dieser Schreckensvision wollte das Internet-Netzwerk campact auf die ungelöste Frage der Endlagerung atomarer Abfallprodukte aufmerksam machen und auf die Parteien einwirken, dem Atomausstieg auch nach der Bundestagswahl treu zu bleiben. Die Aktion am Freitagnachmittag fand ihm Rahmen einer bundesweiten Atom-Tour statt.
Los ging es mit der „Endlagersuche“ um 14 Uhr am Hauptbahnhof. Von dort aus zogen die Aktivisten mit ihrer originalgetreuen Castor-Attrappe die Große Bleiche hinunter bis vor die Alte Universität. Ungefähr 100 Demonstranten beteiligten sich an dem Zug, zählte die zur Verkehrssicherung abgestellte Polizei. Rund 200 Mainzer verfolgten dann die symbolische Probebohrung vor dem Domus Universitatis mit anschließender Podiumsdiskussion, schätzte Organisator Christoph Bautz, Geschäftsführer von campact. „Wir stehen mit der Bundestagswahl vor einer Richtungsentscheidung“, sagte Bautz in Bezug auf den Atomausstieg.
Angst vor schwarz-gelbem Ausstieg aus dem Ausstieg
Auf Seiten der Atomgegner fürchte man, dass eine schwarz-gelbe Koalition den „Ausstieg aus dem Ausstieg“ bedeute. Man wolle aber auch auf die anderen Parteien Druck ausüben: „Nach der Wahl kommt es darauf an, dass es in den Koalitionsverhandlungen keinen Kuhhandel gibt.“ Die Stromlücke durch den Atomausstieg, die immer beschworen werde, sei „eine Stromlüge“, sagte Tabea Rößner, Bundestagskandidatin der Grünen in Mainz, in der Diskussionsrunde. Der Bau des Kohlekraftwerks auf der Ingelheimer Aue werde damit begründet. Atomkraft liefere nur 2,5 Prozent des Stroms. Dies könne leicht durch erneuerbare Energien ausgeglichen werden.
Landtagsabgeordneter Gerd Schreiner (CDU) und David Dietz, der die FDP im Stadtrat vertritt, sprachen sich für eine schnelle Lösung des Endlagerproblems aus. Karl Voßkühler, Direktkandidat der Linken, forderte einen sofortigen Atomausstieg.

