Lebendige Klänge in steinernem Flair
01.12.2010 - MAINZ
KAMMERORCHESTER Weihnachtskonzert des Zabern-Verlags im Landesmuseum
(asche). Beim diesjährigen Weihnachtskonzert des Verlags Philipp von Zabern verwöhnte das Mainzer Kammerorchester mit großer Spielfreude und sauberer Disziplin. Die Flötistinnen Renate Kehr und Sabine Ambos verzückten durch feinfühlige Gestaltung bei rasanten Wechsel-Sequenzen in Georg Philipp Telemanns barockem „Konzert e-Moll“. Ein netter Programm-Bonus waren die eher selten aufgeführten Szenen aus Mozarts Einakter „Der Schauspieldirektor“. Das Konzert strahlte vor belebender Virtuosität in der kirchenartigen Akustik zwischen römischen Grabsteinen in der „Steinhalle“ des Landesmuseums. Bei aller Ernsthaftigkeit fanden sich populäre Melodien in den Werken der großen Komponisten, ideenreich und kurzweilig mit kontrapunktierender Rhythmik in ploppenden Pizzicato-Phrasierungen.
Als besonderes Highlight begrüßte das Kammerorchester als Gastmusikerin die junge Ausnahme-Violinistin Allyson Tomsky. Für die 20-jährige New Yorkerin spielten sich die Noten nicht von einem Blatt, sondern vor ihrem geistigen Auge ab. Sie wirkte sehr reif in kraftvollen Betonungen und filigranen Obertonsprüngen. Man konnte sich ihrem dramatisch sehnsüchtigen Ausdruck kaum entziehen. Wo Skeptiker bei Pablo de Sarantes anspruchsvoller Literatur auf unsauberes Kratzen und Quietschen lauern, da gelang der amerikanischen Newcomerin bei aller zarten Physiognomie die ungestüme Bändigung ihres Instruments, das nur mit solcher Behandlung bereit zu sein schien, diese Art lieblicher Jauchzer zu veräußern. Beeindruckend. Auch das hochvirtuose Sopraninoblockflöten-Spiel von Sabine Ambos imponierte, in Antonio Vivaldis „Konzert C-Dur für Flautino“. Man hätte ihr zugetraut, die Töne in ihrer perlenden Rasanz sich selbst überholen zu lassen. Zum Finale entführte nochmals Allyson Tomsky mit ihrer hingebungsvollen Art in die emotionalen Tiefen ihrer Interpretation von Jules Massenets „Méditation de Thaïs“.

