Schleichende Abkehr von Rio-Prinzipien
10.09.2010 - MAINZ
(eas). Warum haben es die erneuerbaren Energien auch heute noch so schwer? Hermann Scheer (SPD), Bundestagsabgeordneter, Sozialpolitiker und Autor, stellte seine Erklärung der Lokalen Agenda 21 im Rathaus vor: Eine schleichende Abkehr von den Prinzipien des Erdgipfels in Rio de Janeiro 1992 mache es der Politik unmöglich, praktikable Lösungen für die ökologischen Herausforderungen der Gegenwart zu finden, so Scheer. Zudem bremse ein Konflikt zwischen den unterschiedlichen Systemen die Einführung erneuerbarer Energien.
„Global denken, lokal handeln“, lautete die Botschaft von Rio vor 18 Jahren. Inzwischen sei daraus „global reden, national aufschieben“ geworden, so Scheer. Das Problem der großen internationalen Klimakonferenzen liege darin, dass sie für Länder mit den unterschiedlichen politischen Systemen und Energiesituationen eine einheitliche Lösung finden wollten. Durch einen weltumspannenden Anspruch würden Maßnahmen unausführbar.
Erneuerbare Energien sind - „in der Regel“, betont Scheer - emissionsfrei und unerschöpflich. Das Energiesystem unterliege allerdings noch einem „Diktat der Energiequelle“. „Es ist nicht möglich, von der Rolle des Anbieters von Kohle, Öl und Gas in die Rolle des Anbieters von Sonne, Wasser und Wind zu wechseln.“ Hundert Prozent erneuerbare Energien bedeuteten das Verschwinden des traditionellen Energiesystems. Noch kämpfe die Branche darum, den letzten Tropfen Öl zu fördern, verkaufen und verbrennen zu dürfen. „Nur weil da noch was in der Erde ist muss, ich es doch nicht verbrennen, wenn ich bessere Wege zur Energiegewinnung habe“, betonte Scheer.
Nicht selten leiste die Politik, besonders auf Landesebene, der traditionellen Energiewirtschaft Schützenhilfe. Ein Vergleich zwischen den Bundesländern mache dies deutlich. Rheinland-Pfalz sei da ein erfreuliches Gegenbeispiel. Durch eine „proaktive Landespolitik“ entwickelten sich die erneuerbaren Energien hier am schnellsten.

