Gottesdienst wird auf Latein gefeiert
03.09.2010 - MAINZ
Von Nicole Weisheit-Zenz
LITURGIE In St. Josef Messen nach altem Ritus
Am Samstag, 4. September, laden die Pfarrei St. Joseph und der Initiativkreis St. Thomas Morus ab 10 Uhr zu einer gemeinsamen Veranstaltung mit levitiertem Hochamt ein. „Gerade auch mit Menschen, die der ‚Alten Messe‘ skeptisch gegenüber eingestellt sind, möchten wir ins Gespräch kommen,“ erklärt Stefan Löbel vom Initiativkreis. Wie Pfarrer Josef Mohr, der die Messe zelebrieren wird, betont, dient der Tag der Vertiefung und Information, Interessenten sind willkommen.
Anlass ist, nach drei Jahren eine Bilanz zu ziehen zum sogenannten Motu Proprio. Im Juli 2007 hatte Papst Benedikt XVI das „Summorum Pontificum“ unterzeichnet. Dabei handelt es sich um eine wichtige Stellungnahme zum Gebrauch der Römischen Liturgie in ihrer Gestalt vor der Reform der Messliturgie, die 1970 nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil erfolgte. „Das Anliegen damals war durchaus berechtigt: Es ging darum, frischen Wind in die Gotteshäuser zu bringen und die Riten für die Gläubigen besser verständlich zu machen,” schildert Myriam Heger, die sich im Initiativkreis und in der Gemeinde engagiert. Einigen seien diese Reformen jedoch zu tiefgreifend gewesen, immer stärker sei der Wunsch geäußert worden, die Messe auch wieder im alten Ritus zu feiern. Daher freue man sich über die Feststellung des Papstes, dass das Messbuch von 1962 im Prinzip immer zugelassen blieb, und über seine Bemühungen, diese Tradition zu erhalten. „ ‚Was früheren Generationen heilig war, bleibt auch uns heilig und groß‘ - für traditionsverbundene Katholiken sind diese Worte des Pontifex sehr ermutigend“, betont Stefan Löbel. Junge wie ältere Gläubige sollten daher die Möglichkeit haben, sich mit den alten Riten vertraut zu machen.
Seit drei Jahren steht es jedem Priester frei, die Heilige Messe auch im außerordentlichen Ritus (tridentinisch) zu feiern. In Mainz wird diese besondere Form in der Pfarrei St. Joseph in der Neustadt angeboten. Pfarrer Josef Mohr erhielt die Genehmigung hierfür von Bischof Karl Kardinal Lehmann. Jeden Sonntag um 8.30 Uhr wird zu einer Messe mit feierlichem Hochamt eingeladen, dienstags um 18 Uhr wird eine stille Heilige Messe gefeiert. Die anderen Gemeindegottesdienste folgen weiterhin der ordentlichen Form. Zudem hält Pfarrer Mohr Trauungen und spendet das Sakrament der Taufe im alten Ritus, ebenso die Erstkommunion.
Während der speziellen Gottesdienste liegen in der Kirche kleine Heftchen mit der Heiligen Messe im tridentinischen Ritus und alte Mainzer Gesangbücher aus. Im „Schott“ können Gläubige die deutsche Übersetzung nachlesen, da einige Passagen auf Latein vorgetragen werden. „Damit bin ich vertraut, das ist so, wie ich es früher gelernt habe“, meint eine ältere Dame. Die alte Messe sei quasi zeitlos, mit wiederkehrenden Texten und vielen gleichbleibenden Abläufen. Auch Robert und Ursula Mildenberger besuchen regelmäßig die Gottesdienste in St. Joseph. „Die Messen haben etwas sehr Ehrwürdiges und Ehrfürchtiges“, beschreiben sie. Besonders schätzen die beiden Akademiker und jungen Eltern das Geheimnisvolle daran und die Tiefe, sei es beim stillen Abendgebet oder bei der Sonntagsmesse mit bewegenden gregorianischen Gesängen. „Die erneuerte Messe ist sehr stark auf den Menschen ausgerichtet“, resümiert Stefan Löbel, „doch hier steht Gott im Mittelpunkt.“ . PRO & CONTRA

