Mainz: Es gilt Sicherheitsstufe eins bei der Einweihung der Synagoge
03.09.2010 - MAINZ
Frank Schmidt-Wyk
In und um die neue Synagoge in der Hindenburgstraße gilt am Tag der feierlichen Einweihung Sicherheitsstufe eins. Vor allem wegen der Anwesenheit hochkarätiger Persönlichkeiten, allen voran Bundespräsident Christian Wulff, der israelische Botschafter Yoram Ben Ze’ev und der US-amerikanische Generalkonsul Edward M. Alford, wird die Mainzer Polizei in allerhöchste Alarmbereitschaft versetzt. Rund 300 Beamten werden für die Sicherheit der Prominenten, aber auch aller anderen Besucher sorgen, verriet Polizeidirektor Claus Colausich, der den Einsatz vom fünften Stock des Polizeipräsidiums aus persönlich leitet.
Bundespräsident Wulff wird am Morgen auf dem amerikanischen Militärflughafen Wiesbaden-Erbenheim landen und dann von einer Polizeieskorte via Kastel und über die Theodor-Heuss-Brücke in die Hindenburgstraße gelotst; Straßensperrungen auf der Strecke werde es nicht geben, sagte Colausich. Pünktlich um 12.30 Uhr müsse Wulff zurück in Erbenheim sein, um sein Flugzeug zu erwischen.
„Anschläge auf solche Personen sind niemals ganz auszuschließen“, beschrieb Colausich die Ausgangslage, hinzu komme die allgemeine Brisanz des Nahostkonflikts und die damit einhergehende Gefahr terroristischer Anschläge. Wobei Colausich versichert, dass es sich um rein abstrakte Überlegungen handele: „Wir haben keinerlei Erkenntnisse über konkrete Gefährdungen. Aber wir sind nun mal verpflichtet, alles dafür zu tun, damit nichts passiert.“
Radius von etwa 80 Metern
Einen Radius von etwa 80 Metern um die Synagoge werden Colausichs Beamte – viele in Zivil – aufmerksam im Auge behalten und auch schon die Prozession begleiten, die nach dem Gottesdienst in der alten Synagoge gegen 9.15 Uhr von der Forsterstraße zumNeubau zieht. Die Polizisten haben die Order, sich „möglichst unauffällig und diskret“ zu verhalten: „Wir wollen am liebsten überhaupt nicht gesehen werden“, sagte Colausich. Auch wenn der engere Bereich um die neue Synagoge abgesperrt sei, könne sich die Bevölkerung in der Hindenburgstraße bis auf etwa 30 Meter Entfernung nähern und den Bundespräsidenten sowie die zahlreichen anderen Ehrengäste sehen.
„Wir gehen von einem ganz normalen Ablauf aus“, bekräftigte Colausich. Und er sieht auch keine Notwendigkeit, die Synagoge nach der Einweihung mit besonderem Aufwand zu beschützen: „Ich gehe davon aus, dass sie in unseren normalen Streifenplan integriert wird.“
Protestler überkleben Staßenschilder
Einen kleinen Aufreger gab es im Viertel allerdings schon. In der Nacht zum Donnerstag überklebten bislang unbekannte Protestler Straßenschilder der Hindenburgstraße mit der Aufschrift „Lea-Zitronenbaum-Straße“. Die Aktivisten sind der Meinung, dass an die 1938 nach Polen deportierte Jüdin Lea Zitronenbaum erinnert werden sollte anstatt an den Wegbereiter der NS-Diktatur Paul Hindenburg. Da es sich um keine Sachbeschädigung handele, liege nach bisheriger Einschätzung auch keine Straftat vor, sagte Polizeisprecher Achim Hansen. Dennoch sei die Angelegenheit routinemäßig der Staatsanwaltschaft überwiesen worden.

