„Kasernenbesuch als Werben fürs Sterben“
04.08.2010 - MAINZ
Von Lea Mittmann und Karsten Gerber
BUNDESWEHR Die Linke protestiert gegen Ferienkarten-Aktion
Bei einer vom Stadtverband der Linken organisierten Kundgebung vor der Kurmainz-Kaserne unter dem Motto: „Kein Werben fürs Sterben“ haben gestern Vormittag rund 20 Mitglieder der Partei sowie Aktivisten der Deutschen Friedensgesellschaft (DFG-VK) demonstriert. Die Demonstranten bezogen sich auf das Angebot der Bundeswehr im Rahmen der von der Stadt organisierten „Mainzer Ferienkarte“. Seit fünf Jahren bietet die Bundeswehr eine Besichtigung der Kaserne an - für die Linke ist das „Kriegstreiberpolitik“.
„Das ist, was Demokratie ausmacht“
„Ich war in Afghanistan“, so lautete der blutfarbene Schriftzug um den Hals eines Plastikskelettes, das der Vorsitzende des Stadtverbandes der Linken, Hermann Stauffer, Sozialdezernent Kurt Merkator (SPD) entgegenhielt. Der Protest solle darauf aufmerksam machen, wie viele junge deutsche Soldaten bereits in Afghanistan und bei anderen Einsätzen der Bundeswehr ums Leben gekommen seien, so Stauffer.
Merkator, der die Kinder im Rahmen des 40-jährigen Ferienkarten-Jubiläums in die Kaserne begleitete, war bereits vorher zur Demonstration gekommen. Er nahm den Protest gelassen: „Das ist, was Demokratie ausmacht, man kann unterschiedliche Meinungen haben“, sagte er. Ausdrücklich stehe er aber zur Entscheidung, den Kasernen-Besuch bei der Ferienkarte anzubieten. „Die Bundeswehr ist verfassungsmäßig abgesichert“, sagte er. Man biete innerhalb des Programms auch einen Besuch bei der Polizei an, wieso sollte die Bundeswehr außen vor bleiben, fragte er.
„Die Bundeswehr ist ein ganz normaler Arbeitgeber in Mainz, der verschiedene Berufszweige anbietet und ein Studium ermöglicht“, so der Sozialdezernent, der selbst noch 16 Monate Wehrdienst leistete. Das Ferienprogramm diene ja auch dazu, mehr über Berufsfelder zu erfahren. „Die Kinder sind einfach neugierig, was sich hinter dem großen Metalltor der Kaserne befindet“, fügte Presseoffizier Leutnant Karcher hinzu.
Demo wirkt abschreckend auf Eltern
Monika Roth vom Jugendamt bedauerte, dass sich einige Eltern, wohl ob des Hinweises auf die Demo in der AZ, abschrecken ließen, ihre Kinder zum Besuch der Kaserne zu schicken. „Wir hatten 14 Anmeldungen, die haben sich jetzt kurzfristig halbiert.“
Für die sieben Jungen und Mädchen gab es Waffenkammer, Vorführungen der Hundestaffel, Tatortermittlungsmethoden der Feldjäger und einen Fahrtinstruktor des Personenschutzes zu sehen. Anschließend schwärmte Jonas (14): „Am coolsten war die Waffenkammer.“ Er könne sich auch vorstellen, nach der Schule zur Bundeswehr zu gehen: Ob es den Wehrdienst dann allerdings noch gebe und die Bundeswehr nicht bis dahin zur Freiwilligenarmee umgerüstet sei, müsse man abwarten, zeigte sich der Blondschopf gut informiert. . KOMMENTAR

