Mainzer Koalition erhebt schwere Vorwürfe gegen MAG-Geschäftsführer Augustin
29.07.2010 - MAINZ
Von Michael Erfurth
Der Druck auf Lukas Augustin wächst. Die Ampelkoalition richtet schwere Vorwürfe gegen den Geschäftsführer der Mainzer Aufbaugesellschaft (MAG), dessen Vertrag Ende August ausläuft. Auch Bürgermeister Günter Beck (Grüne) ist verärgert darüber, dass Augustin sich in den Urlaub verabschiedet hatte, obwohl beim Projekt „Wohnen am Winterhafen“ eine Finanzierungslücke von 900.000 Euro aufgetaucht ist, für die die Stadt einen Rettungsschirm aufspannen soll.
Die Zeit drängt: Der Darlehensvertrag zwischen der Maicor, Tochtergesellschaft von MAG und Corpus Sireo, und der Landesbank Berlin (LBB)für das 48-Millionen-Euro-Projekt soll bis zum 31. Juli unterschrieben sein. Heute wird daher der Ältestenrat des Stadtrates eine Absichtserklärung gegenüber der MAG abgeben, dass die fehlenden 900.000 Euro für den von der LBB geforderten Eigenanteil von 1,9 Millionen Euro abgesichert werden. Dann muss der MAG-Aufsichtsrat zustimmen, bevor Augustin den Vertrag unterzeichnen kann. Da in der Kürze der Zeit keine Aufsichtsratssitzung einberufen werden kann, soll dieses Votum per Umlaufbeschluss erfolgen: Die Aufsichtsratsmitglieder, darunter die Vertreter der an der MAG beteiligten Banken, werden angeschrieben und sollen sofort antworten - kein leichtes Unterfangen in der Urlaubszeit.
„Wohnen am Winterhafen nicht gefährden“
Die Ältestenratsitzung wurde eigens von Mittwoch auf den heutigen Donnerstag verschoben, da das CDU-Vorstandsmitglied Augustin in Urlaub weilte. Der zweite Geschäftsführer der MAG, Martin Dörnemann, soll dem Gremium mit Oberbürgermeister Jens Beutel (SPD) an der Spitze zudem Rede und Antwort stehen. Auch im nicht-öffentlichen Teil des Hauptausschusses gestern Nachmittag war der Winterhafen Thema. Miguel Vicente (SPD), Daniel Köbler (Grüne) und Walter Koppius (FDP) erklärten anschließend, die Ampelkoalition werde einer Überbrückung der Finanzierungslücke zustimmen, um einen möglichen Baustart im Herbst nicht zu gefährden. „Die Winterhafenbebauung ist für die Stadtentwicklung und die Rheinufergestaltung ein ausgesprochen wichtiges Projekt.“ Empört indes sind die drei Fraktionen darüber, dass Augustin, der eine Woche zuvor den Baustart angekündigt hatte, „sich in den Urlaub verabschiedet“ habe. Erst nach Bitten der Fraktionen und Aufforderung des OB werde sich Augustin einfinden. „Die Koalition erwartet eine lückenlose Aufklärung und eine Antwort auf die Frage, ob nicht noch weitere Probleme bei der Winterhafen-Bebauung ersichtlich sind.“
Thomas Gerster, Vorsitzender der Altstadt-CDU, bezeichnet die Reaktion der „Ampel“ als „durchsichtiges Spiel.“ Die drei Fraktionen wollten FDP-Fraktionschef Christopher Sitte einen Dezernentenposten „zuschanzen“. „Hierzu muss Wirtschaftsdezernent Franz Ringhoffer weichen. Diesen will man nun zur MAG wegloben. Um dort aber eine Stelle freizuhaben, versucht man krampfhaft, die Reputation von Augustin zu zerstören“, verteidigt Gerster seinen Parteifreund. Augustin habe „grundsätzlich – obwohl er immer wieder von der Stadt Projekte zugeschoben bekam, die kein privater Investor anfassen wollte – erst dann zu bauen begonnen, wenn auch die Finanzierung gesichert war.“ Ihm sei es zu verdanken, dass „trotz Verbleib des KUZ, Bankenkrise und Kreditklemme mit der Corpusgruppe nicht nur ein solider Investor gefunden wurde, sondern auch die Finanzierung gesichert werden kann.“

