Gräueltaten im Sudan
19.07.2010 - MAINZ
Von Andreas Riechert
KINO Mainzer Regisseur Uwe Boll präsentiert Völkermord-Drama „Darfur“
Uwe Boll polarisiert. Für nicht wenige Filmkritiker gehört der in Mainz und Kanada lebende Regisseur und Produzent zu den umstrittensten seiner Zunft, für andere ist der 45-Jährige dagegen ein verkanntes Genie, das mit der deutschen Filmszene auf Kriegsfuß steht. Dass Boll, der gerne brutale Computerspiele verfilmt und Horrorstreifen auf die Leinwand bringt, auch vor hierzulande weitgehend tabuisierten Themen nicht zurückschreckt, beweist sein aufwühlendes Völkermord-Drama „Darfur“.
Der 90-minütige Spielfilm über die unfassbaren Gräueltaten arabischer Milizen, die in der westsudanesischen Region ganze Dörfer auslöschen und mit gnadenloser Gewalt vorgehen, lässt im Mainzer Kino Capitol niemanden kalt. Uwe Boll will aufrütteln und den Finger in die Wunde legen. Der Regisseur bringt die reale Gewalt des seit 2003 schwelenden Darfur-Konflikts in aller Schonungslosigkeit und Härte ins Kino. Nach Ende der Vorführung sind die meisten Zuschauer beeindruckt. Applaus brandet auf, kritische Stimmen über das 2009 gedrehte Werk des promovierten Literaturwissenschaftlers halten sich in Grenzen. „Darfur“ hat schockiert - und überzeugt.
„Ich will mit diesem Film die Zivilcourage pushen und habe ihn nicht aus cineastischen Gründen gedreht. Das wäre die falsche Herangehensweise gewesen. Es geht darum, sich über das Thema aufzuregen und zu erkennen, dass es so nicht mehr weitergehen darf“, sagt Boll, der gezielt den Dialog mit dem Publikum sucht und wie gewohnt kein Blatt vor den Mund nimmt. Das Enfant terrible des deutschen Films wirft Vereinten Nationen, Nato und US-Präsident Barack Obama Tatenlosigkeit und Wegsehen vor, kritisiert die „Verlogenheit“ der Politik und haut Talkmaster in typischer Boll-Manier in die Pfanne. „Illner und Plasberg labern jede Woche den selben Müll. Aber solche Themen wie der Völkermord im Sudan verschwinden einfach komplett aus dem Diskussionsraum. Das macht mich total wütend“, ärgert sich der Weisenauer.
Im Gespräch mit Publizist und Filmwissenschaftler Dr. Marcus Stiglegger kann sich der bekennende Genrefilmer derbe Seitenhiebe auf die Konkurrenz nicht verkneifen. Boll doziert über das Filmemachen, gibt sich gewohnt selbstbewusst und bekennt sich zu seinen Wurzeln. „Natürlich bin ich Deutscher. Ich breche nicht alle Brücken ab wie Emmerich und Petersen und versuche einfach, internationale Filme zu machen“, betont der Regisseur, der seine nicht selten verrissenen Streifen vor allem in Kanada dreht und Gewalt als bewusstes Kontinuum seiner Werke betrachtet. „Ich liebe Extremsituationen. Für mich ist das persönlich faszinierend“, bekennt Boll, dem mit „Darfur“ ein aufklärerischer, revolutionärer Film gelungen ist, der das Mainzer Publikum emotional gefesselt hat.

