Künftig reicht eine einzige Unterschrift
19.07.2010 - MAINZ
Von Andreas Riechert
ORGANSPENDE Stadt startet neue Aufklärungsinitiative / Informationen auch in Begrüßungsmappen für Neubürger
Über 12 000 Menschen warten in Deutschland derzeit auf eine Organspende, darunter rund 8 000 Dialysepatienten. Dramatische Fakten, die in Anbetracht der noch immer viel zu geringen Zahl der Spendewilligen hellhörig machen. Die Stadt will mit einer Aufklärungsinitiative dazu beitragen, die Zahl der Organspendeausweis-Inhaber in der Landeshauptstadt zu erhöhen.
Der Bürgerservice im Stadthaus in der Kaiserstraße (Lauterenflügel) bietet jetzt Informationen über das Thema Organspende und die Möglichkeit, einen Ausweis zu erwerben, der seine Gültigkeit durch einfaches Ausfüllen erlangt. Die Vorlage bei einer Behörde ist nicht erforderlich, auch eine Registrierung oder Speicherung von Daten erfolgt nicht. Mit den Erläuterungen zur Organspende möchte die Stadt jeden Bürger zum Nachdenken anregen, ob eine Organspende auch für ihn sinnvoll ist.
Nachdem das Einwohnermeldeamt vor zwölf Jahren eine Initiative gestartet und Organspendeausweise ausgegeben hatte, war diese jedoch nach und nach eingeschlafen. Eine Tatsache, die Bürgeramtsleiter Dieter Hanspach keine Ruhe ließ. Mit Unterstützung von Sozialdezernent Kurt Merkator (SPD) erweckte Hanspach die Initiative zu neuem Leben. An allen Plätzen für Bürgerdienstleistungen liegen nun Organspendeausweise aus, auch den Begrüßungsmappen für Neubürger sollen Ausweise beigefügt werden. „Wenn nur ein Bruchteil der Bürger die Möglichkeit wahrnimmt, passiert viel mehr, als wenn wir gar nichts machen“, verdeutlichte Hanspach, der darauf verwies, dass die Aktion auch bei der Zulassungsstelle des Verkehrsüberwachungsamts und anderen Ämtern gestartet werde.
Obwohl das Thema Organspende den Menschen präsent sei, fehlt nach Auffassung von Merkator häufig die direkte Ansprache. „Wir können Informationen an Personen vermitteln, die Organspender sein wollen. Das Bürgeramt und die Ortsverwaltungen sind ideale Ansprechpartner und Anlaufpunkte, um Werbung zu machen“, betonte der Sozialdezernent, der selbst im Besitz eines Organspendeausweises ist.
Laut Aussage von Dr. Stephan Westphalen, seit sechs Jahren in Mainz niedergelassener Internist und Nephrologe, steigt die Zahl der Nierenerkrankungen in Deutschland um drei Prozent jährlich. Der ehemalige Dialysepatient Ottfried Hermann, bei dem im Alter von 27 Jahren Nierenversagen diagnostiziert wurde, beschrieb auf bewegende Art, welch immensen Gewinn an Lebensqualität er durch seine Transplantation erhalten habe: „Ich habe seit 18 Jahren eine transplantierte Niere. Vorher musste ich dreimal wöchentlich zur Dialyse. Nach der Operation musste ich keine strengen Diätvorschriften mehr einhalten und meine Mobilität war wieder voll da. Organspende rettet Leben“, sagte der 64-jährige Wackernheimer.
Hans Peter Wohn von der im Jahr 2002 gegründeten Initiative „Organspende Rheinland-Pfalz“ machte auf Aktionen aufmerksam, die dazu beitragen sollen, das Thema Organspende in der Bevölkerung präsenter zu machen: „Wir werben für Aufklärung und kämpfen dafür, dass sich irgendwann jeder in Rheinland-Pfalz zur Organspende bereiterklärt.“
Für Willi Koller, stellvertretender Vorsitzender des Bundesverbands Niere, liegt der Grund für den Mangel an Transplantationsmöglichkeiten nicht in der fehlenden Spendebereitschaft. „Die Information zur Organspende muss in der Bevölkerung vorangetrieben werden“, urteilte Koller.

