Von Andreas Riechert und Michael Erfurth
Um ein Zeichen zu setzen, dass „Stadtbewohner sich nicht widerstandslos unterordnen und von urbanen Plätzen verdrängen lassen“, hatte die Mainzer Hochschulgruppe Diskursiv zu einer „Nachttanzdemonstration“ durch die Innenstadt aufgerufen. Unter dem Motto „Dance your Right to the City“ zogen am Samstag rund 600 Demonstranten, so die Schätzung der Polizei, durch die Straßen, bewegten sich zu dröhnenden Party-Rhythmen tanzend fort und verliehen so ihrer Forderung nach einem umfassenden Recht nach mehr Freiraum in der Stadt Ausdruck. Laut Polizei ertönte von drei mitfahrenden Lastwagen Musik in einer Lautstärke von bis zu 100 Dezibel. Die CDU-Altstadt kritisierte am Sonntag, dass die Demonstration genehmigt wurde.
Stadtpolitik lässt Bürgern kaum noch Freiraum für Selbstbestimmung
Auf einer vor dem Hauptbahnhof abgehaltenen Auftaktkundgebung hatten sich die Demonstranten gegen 20 Uhr für eine stärkere demokratische Selbstgestaltung der Stadt eingesetzt, günstigere Wohnräume gefordert und dabei an Stadtoberen, Stadtwerken und Wohnbau kein gutes Haar gelassen. Geht es nach den Mitgliedern der Hochschulgruppe, lässt die Stadtpolitik den Bürgern kaum noch Freiraum für Selbstbestimmung, Kreativität, Kunst und emanzipierte Bewegungen. So verdeutlichten das am Rheinufer verhängte Grillverbot, der geplante Bau von Nobelquartieren am Zollhafen oder die juristisch erwirkten Einschränkungen der „Bunten Liga“ auf dem Bolzplatz an der Zitadelle das Ausmaß einer „auf ganzer Linie verfehlten Stadtplanung, die viele Menschen gezielt von der Teilhabe an städtischen Räumen ausschließe“, so die Protestler.
Die „Illegalisierung von in der Stadt lebenden Menschen und die Ausgrenzung von wirtschaftlich Benachteiligten aus der Innenstadt“ waren Gegenstand weiterer Redebeiträge während des mehrere Kilometer langen Streckenverlaufs, der die Demonstranten vom Hauptbahnhof über die Kaiserstraße, das Höfchen und den Schillerplatz wieder zurück zum Ausgangspunkt führte. „Die Mieten in Mainz sind in der Innenstadt unbezahlbar und am Winterhafen geht jede Menge Platz zur Freizeitgestaltung verloren. Das ist ein Unding“, kritisierte Demo-Teilnehmer Shlomo. Für Kulturanthropologie-Studentin Verena gehören Kunst und Kultur unbedingt ins Zentrum der Stadt. „Wir müssen den urbanen Raum für alle Gesellschaftsschichten schützen." Gegen 23.30 Uhr, nach der Abschlusskundgebung am Bahnhof, endete die Demo, die laut Polizei friedlich verlief.
CDU-Altstadt kritisiert Genehmigung der Demo
Thomas Gerster, Vorsitzender der CDU Altstadt, kritisierte „die Genehmigung bzw. die Überwachung der sogenannten Nachttanzdemo“. Es sei nicht nachvollziehbar, dass eine Genehmigung für eine Demonstration erteilt werde, die daraus bestehe, „Lkw mit Musikanlagen in den Abend- und Nachtstunden durch die Innenstadt zu fahren, die laut Polizei Lärm in einem Dezibel-Bereich verursachten, der einem startenden Flugzeug entsprachen“, so das Stadtratsmitglied. Er kündigte an, in der kommenden Stadtratssitzung eine Anfrage zu stellen, die klären soll, „wer die Demonstration genehmigt hat, welchen Inhalt die Genehmigung hatte und wer für die Überwachung der Demonstration zuständig war.“ Gerster weiter: „Es kann nicht sein, dass demnächst jedes Wochenende 600 Egoisten unter Missbrauch des Demonstrationsrechts durch die Stadt ziehen.“ Vor dem Hintergrund der Bekämpfung des Fluglärms über Mainz seien die Einwände wenig glaubwürdig, wenn die Anwohner der Innenstadt mit einem vielfachen des Fluglärms behelligt würden, so Gerster.


Lärmbelästigung
es handelte sich hier um eine unnötige Lärmbelästigung nach 22.00 Uhr. Ich zB mußte Frühmorgens arbeiten und wurde geweckt. Kein Verkehr auf der Kaiserstr. macht einen solchen Lärm. Die Spaßgesellschaft kann doch am Nachmittag demonstrieren (feiern??)