Von Maike Hessedenz
Die Generation „Yeah“ in Hochform: Live-Musik, Politikschelte, Tanzsessions, Zeltkultur und Pfingstsonne – seit Freitagabend ist die Zitadelle fest in der Hand der Open-Ohr-Generation. Mit Mono Nikitaman, Kabarett, vor allem aber inhaltsreichen Diskussionen um Bildung, Wirtschaftskrise, Sozialstaat und Szenenkult ist das 36. Festival unter dem Motto „Ja Nein Vielleicht – Hauptsache Yeah!“ in die erste Runde gestartet.
„Die Jugend redet mit“, in dieser Erkenntnis sah sich unter anderem der rheinland-pfälzische Wirtschaftsminister Hendrik Hering (SPD) bestätigt, der beim großen „Opel-Podium“ auch Gegenwind von den jungen Gästen aushalten musste: „Es ist erwiesen, dass es billiger ist, einen Menschen im öffentlichen Dienst fest anzustellen, als einen Ein-Euro-Job zu finanzieren“, so ein Sprecher der Frankfurter Montagsdemo; ein anderer Besucher forderte die Abschaffung der Leiharbeit – und erntete aus den Reihen der Podiumsteilnehmer Zustimmung: „Leiharbeit muss abgeschafft werden“, so Alfred Klingel, Betriebsratschef bei Opel in Kaiserslautern, „oft sei dies bislang allerdings die einzige Möglichkeit, junge Leute zu beschäftigen. „Leiharbeit kann okay sein, ist aber missbraucht worden, um die Löhne in den Betrieben herabzusetzen“, stimmte auch Hering den jungen Leuten zu.
"Mehr Geld in die Hand nehmen“
Zudem plädierte er für eine „lebensphasenorientierte Arbeitszeit“ statt des festgeschriebenen Rentenalters. Gute Ausbildung und Fachkräfte forderte ebenso Dr. Thomas Schäfer (CDU), hessischer Finanzstaatssekretär, dennoch: „Wir investieren in Bildung, leben aber derzeit dramatisch über unsere Verhältnisse. Wir kommen unseren Zielen nicht so schnell nach, wie wir uns vorgenommen haben“, sagte er – und bekam auch von Hering Kontra: „Es ist ein Skandal, die Steuern für Hoteliers zu senken und zu sagen, wir haben kein Geld für Bildung“.
Um Bildung gings auch beim Bildungspodium „Nicht fürs Leben, für die Wirtschaft lernen wir“. Der Bologna-Prozess, die hohe Belastung durch die neue Studienstruktur, darüber diskutierte Journalist Karl Schlieker mit dem Mainzer Uniprofessor Dr. Franz Hamburger, Landtagsabgeordnetem Gerd Schreiner und dem Mainzer Asta-Vorsitzenden Manuel Lautenbacher. „Der Bologna-Prozess war notwendig“, so Hamburger. Das alte Studienkonzept sei auf eine kleine Elite von etwa vier Prozent ausgelegt gewesen; trotz der Schwierigkeiten könne jeder auch aus dem Bachelor- und Masterstudiengängen „etwas Gutes“ machen. Was er noch vermisse, so Gerd Schreiner, seien versprochenen kleinen Lerngruppen, um die Inhalte schneller und kompakter zu vermitteln: „Aber um das wirklich umzusetzen, müssen wir mehr Geld in die Hand nehmen.“
Noch Zeltplätze frei
Diskutiert und gefeiert wird noch bis Montag - und wie es aussieht, dieses Jahr auch wieder in besonders großer Runde. Auf den Zeltplätzen herrschte bis zum Samstagnachmittag noch Anreisestimmung – einige Plätze seien noch zu haben, nachdem man seit dem Ansturm im vergangenen Jahr erneut die Kapazitäten erweitert hatte, so Monika Roth vom Mainzer Jugendamt, das das Festival Jahr für Jahr veranstaltet. Konkrete Besucherzahlen liegen derzeit noch nicht vor, die Tageskassen sind geöffnet, es gibt derzeit noch Tagestickets und Festivaltickets für alle drei Festivaltage. Es sieht so aus, so Roths Eindruck, dass die Rekordbesucherzahl vom vergangenen Jahr, als das Festivalgelände und die Zeltplätze mit etwa 10.000 Besuchern aus allen Nähten geplatzt waren, 2010 sogar nochmal übertroffen wird. Am Samstag Nachmittag waren bereits mehr Karten verkauft als 2009 zum gleichen Zeitpunkt.
Programmhighlights sind unter anderem am heutigen Samstagabend die „Ton, Steine, Scherben“-Tribute-Band „Neues Glas aus alten Scherben“, am Sonntagabend die „Antagon Theateraktion“ und am Montagnachmittag „Miss Platnum“.


Ebenfalls Anwohner
...und schon wieder gibt es Nörgler, denen das Festival zu laut ist.
Ich wohne ebenfalls in unmittelbarer Nähe und fühle mich KEINESFALLS belästigt, ganz im Gegenteil!!!
Das Open Ohr ist eine Bereicherung für die Stadt Mainz, über die Grenzen hinaus bekannt und zudem ein Lebensimpuls für die ansonsten doch recht brachliegende Zitadelle.
Es macht Spaß, dem bunten Publikum auf dem Weg dorthin zuzuschauen sowie aus der Ferne der Musik zu lauschen.
Mensch, wir wohnen nunmal in der INNENStadt, da sollte es Jedermann und Jederfrau von vorneherein klar gewesen sein, daß dies kein Kurort ist. Wer absolute Ruhe will, soll fortziehen.
Wer städtisches Leben sucht, muß mit städtischem Treiben rechnen - dazu gehören nunmal auch Festivals (OO), Partys (Fastnachtsumzug) und sonstiges Feiern (Kneipengänger).
Was davon sollen wir denn zuerst verbieten, hmm?
Wer seine Ruhe will, soll nach Wiesbaden ziehen, denn genau so würde es ohne die Meenzer Feierlichkeiten nämlich bald aussehen....