INTERVIEW Domkapellmeister Mathias Breitschaft über sein Leben für die Chöre
Ein Leben für die Chormusik: Mathias Breitschaft ist seit 25 Jahren Domkapellmeister in Mainz. Heute feiert er seinen 60. Geburtstag.
Wie sind Sie zur Musik gekommen?
Das ist wahrscheinlich Genpool. Schon mein Vater war bei den Regensburger Domspatzen eines der ganz frühen Mitglieder, meine Mutter war eine tolle Pianistin. Als junger Mann hat mir der damalige Leiter der Domspatzen, Georg Ratzinger, so viel Vertrauen geschenkt, dass er mir einen der Konzertchöre gegeben hat. Ich durfte ohne chorleiterische Ausbildung Gottesdienste dirigieren. Da hat‘s wahrscheinlich Klick gemacht. Später habe ich dann in Frankfurt Musik studiert und war parallel dazu Assistent und Stimmbilder bei den Limburger Domsingknaben.
Sie standen stets im Dienst der Kirchenmusik. Hat es Sie nicht gereizt, mal bei einem „weltlichen“ Orchester den Dirigentenstab zu schwingen?
Die Verlockung war schon da, aber mich hat immer der Gedanke fasziniert, über Kirchenmusik Leute in ihrem Glauben zu helfen oder zu bestärken. Es ist schon enorm, was die Kirchenmusik an Emotionen und Erkenntnissen auszulösen vermag. Sie kann Brücken zu anderen Menschen schlagen. Das Singen ist die Friedensbewegung par exellence. Ich erinnere mich an Konzerte in Israel, als der Domchor mit dem Jugendsinfonieorchester in Haifa zusammen probte. Im Konzert saßen alte ausgewanderte Juden aus Deutschland, denen sind die Tränen runtergelaufen.
Sie sind seit 25 Jahren Domkapellmeister in Mainz. Was waren ihre schönsten Erlebnisse in der Zeit?
Es gab so viele kirchliche Höhepunkte - Katholikentag, Fernseh-Gottesdienste, Kardinalsjubiläum - die kann man gar nicht alle aufzähle. Oder die großen Konzertreisen nach Amerika, Südafrika, Australien. Ein ganz besonderes Erlebnis war die Begegnung mit Papst Benedixkt XVI in seiner Privatwohnung, aber auch die Berührungen mit großen Politkern wie Helmut Kohl, Gorbatschow oder von Weizsäcker. Es hat mich aber auch immer gefreut, wenn Kinder auf der Bühne gesungen haben und ich mir sagen konnte: Mensch, das hast allein Du bei ihnen ausgelöst.
Welche Projekte wollen Sie noch in Angriff nehmen?
Ich freue mich jetzt zunächst auf ein Treffen von Jugendchören aus verschiedenen Kathedralen, Menschen, mit denen ich in meinem 40-jährigen Berufsjubiläum zu tun hatte. Natürlich auch auf meinen Sohn, der als Assistent des Domkapellmeisters in Osnabrück arbeitet. Ende September haben wir dann unsere Jubiläumskonzert 25 Jahre Domchor, unter anderem mit dem „Missa di Gloria“ von Puccini. Dann möchte ich auch noch Werke realisieren, die mir besonders am Herzen liegen, wie etwa die „Matthäuspassion“ und die „h-moll-Messe“ von Bach. Und mir schwebt vor, dass ich nach meiner aktiven Zeit mein Wissen in Kursen hier in Mainz weitergeben kann.
Wie feiern Sie ihren runden Geburtstag?
Es ist mir eine Ehre, heute bei Kardinal Lehmann zu Gast zu sein. Für den Freitag habe ich dann die Chöre eingeladen, mit mir zu feiern. Zum Ausklang des Festes mit dem Abendlob um 20 Uhr im Dom ist jedermann eingeladen.
Das Interview führte Michael Jacobs


Geburtstag Herr Breitschaft
Herzlichen Glückwunsch und Dank für alles Geleistete, Herr Breitschaft. Die Zeit unseres Sohnes im Domchor-ist schon lange her- ist für mich eine der angenehmsten Erinnerungen.
Sieht man es so einem kleinen Knopf auf der Straße an, was und wie er 10 Minuten später singt ? Und doch tut er es.
Bleiben Sie gesund , alles Gute
J.Hager