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OPEN OHR  

36. "Open Ohr"-Festival hat Orientierungslosigkeit junger Menschen zum Thema

15.04.2010 - MAINZ

Von Christopher Scholz

OPEN OHR

Wenn das mal keine kollektive Verwirrung auslöst: "Ja Nein Vielleicht - Hauptsache Yeah!" Was jetzt? Das Motto des 36. Open Ohr-Festivals klingt etwas orientierungslos, aber genau darum geht es: Diese Menschen heute zwischen 15 und 35, heißen die nun Generation Y, "Nuller" oder gar Millenials? Und was wollen sie, wonach definieren sie sich, nach Geschichte oder Technik, 9/11 oder iPod? Dabei langt es nicht eine Position zu haben, heutzutage muss auch noch der richtige Hype darum gemacht werden, erklärt Christian Englert von der Open Ohr-Projektgruppe.

Eröffnungspodium zum Thema Arbeitsmarkt

Vom 21. bis 24. Mai sucht eine junge Generation im Pool der Möglichkeiten nach ihrer Identität, ein Thema für die Diskussionsforen: Die Generation 2.0 ist nicht nur auf Second Life und Ebay zu Hause, sie muss sich letztlich auch mit den realen Bedingungen auf dem Arbeitsmarkt auseinandersetzen: "Junge Menschen in der Wirtschaftskrise" kommen am Samstag auf den Tisch des Eröffnungspodiums. Mobilität und Flexibilität werden erwartet, Protestkultur haben die jungen Leute von heute aber angeblich nicht mehr. Vielleicht wird sie nicht mehr auf der Straße ausgetragen, auf ein Podium kommt dieses Thema jedenfalls auch. G8, Bachelor und sonstige Blüten der Merkelschen "Bildungsrepublik" sind ebenso dabei und die Frage, wo hier noch fürs Leben gelernt wird. Vielleicht vor den Musikbühnen: Etwa 20 Bands treten an, setzen sich mit all diesen Problemen auseinander oder auch nicht, einer wird sicher seinen Senf abgeben: Am Samstagabend ist Hans Söllner zu Gast.

Headliner am Freitag sind die kaum weniger sozialkritischen "Mono & Nikitaman" mit ihrem massentauglichen Dancehall-Reggae, viel Spaß verspricht auch die französische Band "Ma Valise" mit einem Chanson-Rock-Stilmix zum Ausklang am Montag. Am Sonntag gibt es als Topact die obligatorischen Vertreter der Weltmusikszene, "Mercan Dede & Secret Tribe". Aus aller Welt rekrutiert sich auch das Ensemble "antagon theaterAKTion", das für die nächtliche Platzbespielung mit Fackeln und Stelzen sorgt.

Mit acht Filmen der "Generation Facebook"

Weniger Zauber und Opulenz, dafür ein Maximum an anarchischem Potenzial bringen die Großmeister des Trash-Puppentheaters "Das Helmi" aus Berlin mit. Dass die Generation Facebook auch noch Kabarettisten hervorbringt, soll Uta Köbernick, Kleinkunst-Preisträgerin 2009 beweisen. Dass aus ihr Regisseure hervorgehen, werden insgesamt acht Filme unterstreichen - unter anderem wird es dann heißen: "Die fetten Jahre sind vorbei".

Fette Jahre hat das Festival noch nie gekannt, zuletzt aber waren Wetter, Besucher- und sonstige Zahlen gut, die Preise bleiben fast alle stabil. Neu ist, dass auf dem Zeltplatz ein Familienbereich ausgewiesen wird, außerdem ist das Angebot an Sanitäreinrichtungen erhöht worden. Die bessere Infrastruktur kostet, die Zeltplatzgebühren steigen von einem auf 5 Euro im Grünen und von 6 auf 10 Euro auf dem Sandplatz.

Seine sozialkritischen Texte steuert Hans Söllner am Samstagabend bei.privatVergrößern

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