Volkskrankheit Nummer eins
12.04.2010 - MAINZ
Von Michael Heinze
DIABETES-TOUR Experte: Durch Ausbau der Prävention
lassen sich Kosten im Gesundheitswesen erheblich reduzieren
Der Aspekt der Prävention stand im Mittelpunkt der Diabetestour, die am Samstag rund 3400 Besucher in die Rheingoldhalle lockte.
"Wenn man den Präventionsgedanken stärkt, lässt sich die Zuckerkrankheit um Jahre bis Jahrzehnte nach hinten schieben - und viele Kosten lassen sich vermeiden", sagte Prof. Andreas Pfützner, Geschäftsführer des Instituts für klinische Forschung und Entwicklung GmbH in der Parcusstraße, das mit einem großen Infostand vertreten war. Diabetes trage maßgeblich dazu bei, dass die Kosten im Gesundheitswesen so massiv stiegen. Diabetes-Patienten seien heute das Hauptklientel der Hausärzte. Wobei der Stoffwechselexperte Wert legt auf die Feststellung, dass Diabetes einst eigentlich gar keine Krankheit war. "In der Anfangszeit des Menschen war es ein Vorteil, in sehr kurzer Zeit sehr große Fettreserven aufzubauen. Aufgrund unserer Zivilisation und dem ständig steigenden Lebensalter ist der Energiespeicher, dieses Fettgewebe, zum Problemfall geworden, weil dadurch Hormone ausgeschüttet werden, die uns Probleme machen." Die Menschen würden an Herzinfarkt und Schlaganfall sterben oder erlitten die Spätschäden des Diabetes, die blind machten oder an die Dialyse führten. In den Augen von Pfützner haben die Patienten "ein Recht darauf, informiert zu sein, was die Therapeutika und Diagnostika sind, die uns wirklich weiterbringen".
Auf der Diabetestour bekamen die Besucher alles serviert, was Zuckerkranke und ihre Familien wissen müssen - und zwar nicht auf hochwissenschaftlichem Niveau, sondern praxisnah und leicht verständlich. An vielen Ständen bildeten sich lange Schlangen. Für ihre Geduld wurden die überwiegend älteren Besucher mit aktuellen Erkenntnissen über ihren Gesundheitszustand und wichtigen Tipps belohnt. Eine Podologin bot Untersuchungen der Füße an und erstellte einen Fußbefund. Was man gegen trockene, rissige und juckende Haut sowie schlecht heilende Wunden tun kann, unter denen 80 Prozent aller Diabetiker durch ihren veränderten Stoffwechsel leiden, darüber informierte Prof. Silvia Schauder, Dermatologin von der Göttinger Universitätshautklinik. Ein weiteres Thema, dass Diabetiker besonders betrifft, ist die Frage nach der Zahngesundheit. Auch hier trägt der veränderte Zuckerstoffwechsel dazu bei, dass es zu Durchblutungsstörungen des Zahnfleisches und als Folge zu Zahnerkrankungen kommt. Im Rahmen des Vorsorge-Parcours stand ein Zahnarztteam der Medizinischen Hochschule Hannover Rede und Antwort. In einer Talkrunde beleuchtete die Bundestagsabgeordnete Julia Klöckner (CDU) gemeinsam mit Fernseh-Arzt Dr. Günter Gerhardt sowie Vertretern des Deutschen Diabetiker Bunds und des Bundesverbandes Niere die Volkskrankheit aus unterschiedlichen Blickwinkeln.
Für den genüsslichen Teil des großen Austauschforums sorgten Koch-Shows aus der Diabetiker-Küche mit Bestseller-Autor Hans Lauber, der selbst Diabetiker ist, und Profikoch Uwe Steiniger. "In Rheinland-Pfalz gibt es 400000 Diabetiker, aber nur 0,5 Prozent davon sind organisiert, weil sie im Gegensatz zu Rheumatikern keinen Leidensdruck haben", resümierte Alois Michel, Vorsitzender des Landesverbandes des Deutschen Diabetiker Bundes, für den der Gesundheitstag wie auch für die Selbsthilfegruppen eine ideale Plattform darstellte.

