"Beste Gewaltprävention"
23.03.2010 - MAINZ
Von Michael Heinze
05-FANPROJEKT Verärgert über "populistische" Vorwürfe durch Chef der Polizeigewerkschaft
Scharfe Kritik übt das Fanprojekt des FSV Mainz 05 an den "teils populistischen Bemerkungen gegenüber der Arbeit von Fanprojekten" von Rainer Wendt, Vorsitzender der Deutschen Polizeigewerkschaft, im Zusammenhang mit den Ausschreitungen nach dem Fußball-Bundesligaspiel Hertha BSC Berlin gegen 1. FC Nürnberg.
"Da gibt es viel Aktionismus ohne Sinn, wenn Geld für Bastelstuben der Ultras ausgegeben wird", hatte Wendt gepoltert. Es gebe "keine vernünftige Wirkungsanalyse", der Effekt der Fanprojektarbeit sei kritisch zu sehen. "Ungehobelte Worte, mit denen der DPG-Chef die Fanprojekte in ihrer Gesamtheit diskreditiert, indem er den Deutschen Fußball-Bund auffordert, seine Mittel für die Fanprojekte zu überprüfen", echauffiert sich Wolfgang Dieler, seit November Vorsitzender des Fanprojekts. Wendt bediene mit seinen Äußerungen Vorurteile, die die Arbeit auch des 05-Fanprojekts nur schwieriger mache. Als "kontraproduktiv" bezeichnet Dirk Weber vom Fanprojekt die Aussagen des "höchsten und damit verantwortlichsten Polizeigewerkschaftlers". "Meiner Meinung nach wird das Feindbild `Polizei` so nur noch größer", urteilt Weber. "Die Polizisten vor Ort im Stadion profitieren von diesen merkwürdigen Äußerungen nicht." Das genaue Gegenteil sei der Fall.
"Mich macht es ein Stück weit wütend, weil Wendt hier seine Position ausnutzt, um in einer populistischen Art und Weise Dinge in die Medien zu geben, die einfach haltlos sind und die ich persönlich auch unverschämt finde", sagt Thomas Beckmann, Pädagogischer Leiter des Fanprojekts, der in Mönchengladbach einmal selbst Opfer eines Schlagstockeinsatzes der Polizei geworden ist. Zwar habe Wendt den Dialog angeboten, aber auf die Fanprojekte sei er noch nicht zugekommen. "Wenn er sich über unsere Arbeit informieren will, die wir seit nunmehr 16 Jahren im 05-Umfeld leisten, ist er herzlich eingeladen."
Laut Beckmann macht sich jeder Cent, den Stadt, Land, Deutscher Fußball-Bund/Deutsche Fußball-Liga sowie weitere Förderer ins Fanprojekt stecken, "um ein Vielfaches" bezahlt. "Fanprojekte sind die größten Jugendhäuser in diesem Land", unterstreicht Volker Goll von der Koordinationsstelle Fanprojekte (KOS) bei der Deutschen Sportjugend in Frankfurt. "Dort wird Gewaltprävention im besten Sinne geleistet", findet auch Dieler. "Mit unserer präventiven Sozialarbeit haben wir nur einen anderen Ansatz als die Polizei", sagt Weber. "Die Jugendlichen wissen, dass wir in allen Belangen für sie da sind, auch mit Drogen- oder Schuldenproblemen können sie zu uns kommen." Was im Stadion passiere, sei ja schließlich "nur ein kleiner Teil ihrer Lebenswelt, in die wir eintauchen".

