Von Monika Nellessen
Am Donnerstag geht es für Mainz um die Ehre – und um viel Geld: 250.000 Euro erhält die Kommune, die in zwei Tagen in Berlin zur „Stadt der Wissenschaft“ gekürt wird. Tatsächlich ist die Summe noch größer, denn die Hälfte wird als Zuschuss von 25 Prozent auf eingeworbene Mittel privater Spender und Sponsoren gewährt.
Die rheinland-pfälzische Landeshauptstadt buhlt mit den anderen Finalisten Bielefeld und Chemnitz um die Auszeichnung des Stifterverbandes für die Deutsche Wissenschaft. Für die zweit- und die drittplatzierte Stadt sind Geldpreise von je 50.000 Euro für ein konkret zu benennendes Projekt vorgesehen.
Am Mittwoch reist eine Delegation aus Mainz in die Hauptstadt. Dabei sind Staatssekretär Michael Ebling (SPD), Schott-Vorstandsvorsitzender Prof. Udo Ungeheuer und Prof. Andreas Barner, Sprecher der Unternehmensleitung von Boehringer Ingelheim.
Wettbewerb soll Netzwerke schaffen
Am Donnerstag wird dann, moderiert von Gundula Gause (ZDF), Oberbürgermeister Jens Beutel (SPD) mit Universitätspräsident Prof. Georg Krausch und Dr. Özlem Türeci, Geschäftsführerin von Ganymed vor der 18-köpfigen Jury die Mainzer Bewerbung im Deutsche Bank Forum präsentieren. Der Dreiklang dürfte nicht zufällig sein, ist Özlem Türeci doch die Personifizierung eines ebenso erfolgreichen wie weltoffenen Umgangs mit Wissenschaft: Ihre Firma Ganymed Pharmaceutics AG ist das Beispiel einer erfolgreichen Ausgründung aus der Mainzer Universität.
Den Titel der „Stadt der Wissenschaften“ verleiht der Stifterverband seit 2005. Mittlerweile haben sich 37 Städte beworben – die Sieger der Vorjahre waren Bremen/Bremerhaven, Dresden, Braunschweig, Jena und Oldenburg. Ziel des Stifterverbandes ist es, durch den Städte-Wettbewerb in den jeweiligen Kommunen beziehungsweise Regionen Netzwerke aus Wissenschaft, Wirtschaft, Politik und Kultur zu schaffen und so Bildung und Wissenschaft im öffentlichen Leben zu verankern.
Ganz konkret soll dann ein Jahresprogramm in der „Stadt der Wissenschaft“ alle Bürger für Wissenschaft und Forschung begeistern. Als besonderes Bonbon ist die Sieger-Stadt auch Ausrichterin des alljährlichen „Wissenschaftssommers“. Diese Chance hatte Mainz schon mal in anderem Zusammenhang – 2003 im „Jahr der Chemie“ mit riesigem Publikumserfolg.
Inhalt der Bewerbung noch geheim
Noch ist der Inhalt der Mainzer Bewerbung geheim. Doch liegt es auf der Hand, dass es dabei darum geht, auf vorhandenem Fundament aufzubauen. So wurde 2008 die „Wissenschaftsallianz“ gegründet, deren Vorsitzender Uni-Präsident Krausch ist, um Wirtschaft, Forschung und Kultur in Mainz eng zu verzahnen. Nur ein Beispiel ist das Naturhistorische Museum, das anspruchsvolle Pläne hat, zur führenden Einrichtung für Umweltbildung im Land zu werden – für Kinder und für Erwachsene. Dazu ziehen Forscher der Uni und Museumsleitung an einem Strang.
Veranstaltungen wie Kinder-Uni, Nachtvorlesungen oder Wissenschaftsmarkt, übrigens alle in Medienpartnerschaft mit der AZ, locken schon jetzt Tausende regelmäßig in die Hörsäle – oder verlegen den Campus in die Stadt. „Nun geht es darum, jenseits dieser erfolgreichen Wissenschaftskommunikation weitere Schritte zu gehen, um auf nachhaltige Weise durch Bildung und Wissenschaft noch bessere Zukunftsperspektiven für unsere Stadt zu schaffen“, sagt Krausch als Vorsitzender der Wissenschaftsallianz. Die Auszeichnung als „Stadt der Wissenschaft“ wäre gewiss ein enormer Anschub dafür.


Ebling
Wann fängt Ebling eigentlich mal mit Politik an ...