Ganz praktisch gegen Kinderarmut
05.03.2010 - MAINZ
Von Nicole Weisheit-Zenz
KIRCHE Evangelisches Dekanat unterstützt mit "Helfen macht Schule" sozial schwache Familien
Im Schulalltag sind Kinder aus sozial schwachen Familien oft benachteiligt und schämen sich, weil sie schlechter mit Unterrichtsmaterial ausgestattet sind. Zudem können manche Schüler aus finanziellen Gründen nicht an Klassenausflügen teilnehmen und sind somit vom sozialen Miteinander ausgeschlossen. Diese Ausgrenzung zu verringern und damit einen konkreten Beitrag zur Bekämpfung von Kinderarmut zu leisten, ist das wichtigste Ziel des Projekts "Helfen macht Schule", das vom Evangelischen Dekanat Mainz und vom Diakonischen Werk Mainz-Bingen gemeinsam mit Spendern und Sponsoren konzipiert wurde. "Als Christen haben wir einen wichtigen Auftrag und eine besondere Verantwortung", erklärte Dr. Birgit Pfeiffer, Präses der Dekanatssynode Mainz.
Gisela Apitzsch, Fachstelle Gesellschaftliche Verantwortung im evangelischen Dekanat, hat die Initiative für das Schulprojekt ergriffen, das auf fünf Jahre angelegt ist. Zunächst soll etwa 150 betroffenen Kindern in der Mainzer Neustadt geholfen werden. Bisher sind die Feldbergschule, die Leibnizschule und die Schillerschule beteiligt. Um den genauen Bedarf zu erkennen und entsprechend zu handeln, arbeiten Schulleitung und Kollegien, Fördervereine und Elternvertretungen Hand in Hand. Schätzungsweise jedes vierte Kind, das diese Schulen besucht, lebt auf der Basis von Hartz IV. Die etwa 200 Euro, die den Eltern durchschnittlich pro Kind und Schuljahr an Kosten für Ausstattung und Extras entstehen, seien mitunter kaum aufzubringen. Die drei Säulen der Unterstützung sind daher Schulmaterialien, Zuschüsse für Klassenfahrten oder Projekte und Beratungsangebote.
In einem ersten Schritt wurde nun ein Grundbestand an Schreib- und Aufgabenheften, neuen Farbstiften, Malkästen und anderen hochwertigen Unterrichtsmaterialien bereitgestellt, der an die Klassenlehrerinnen übergeben wird. Außerdem erhalten die Klassenkassen Gelder für Ausflüge und besondere Projekte, die sicherstellen, dass alle Kinder teilnehmen und von den Gemeinschaftserlebnissen profitieren können. Helga Kinsky möchte Familien mit kleinem Budget ermutigen, ihre Scham zu überwinden und die angebotene Unterstützung auch anzunehmen. "Wir werden das Thema sensibel unter vier Augen ansprechen, um unkompliziert und unauffällig weiterzuhelfen", sagte die Schulleiterin der Leibniz-Grundschule. Die Eltern sollten sich einfach an die Lehrkräfte und andere Personen ihres Vertrauens wenden.
Außerdem richten sich Beratungsangebote an Kinder und ihre Familien. Die Evangelische Familien- und Erwachsenenbildung sowie die Psychologische Beratungsstelle fungieren dabei als Kooperationspartner. Zudem ist eine enge Zusammenarbeit mit dem bereits bestehenden Netzwerk in der Mainzer Neustadt angedacht. Auch hier soll die Hemmschwelle zu den Angeboten, die allen offen stehen, so gering wie möglich gehalten werden.
Daneben sind projektbegleitende Vorträge und bildungspolitische Diskussionen angedacht, um auch die breite Öffentlichkeit für das Thema Kinderarmut zu sensibilisieren. Bisher konnten Mittel in Höhe von rund 20 000 Euro bereitgestellt werden, darunter eine zugesagte Spende von 10 000 Euro des Mainzer Rotary Clubs.

