Von Kirsten Strasser
PSYCHIATRIE Klinik richtet Überwachungsräume ein / Die meisten eingelieferten Menschen sind suizidgefährdet
Es war ein schlimmer, ein bedrückender Zustand - das räumt Prof. Dr. Klaus Lieb, Direktor der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie der Universitätsmedizin Mainz, unumwunden ein. Akutpatienten, mit Medikamenten sediert oder gar ans Bett fixiert, mussten bislang in ihren Betten auf dem Stationsflur liegen, damit das Pflegepersonal sie im Auge behalten konnte. "Für diese Menschen gab es keine Intimsphäre", sagt Lieb. Dies ändert sich jetzt: Drei Stationen der Klinik wurden umgebaut und saniert, dabei entstanden moderne Überwachungsräume für Patienten, die akut gefährdet sind, sich selbst oder andere zu verletzen.
760000 Euro aus dem Konjunkturpaket II wurden verbaut, Geld, das "sicher sehr gut angelegt ist", wie Prof. Norbert Pfeiffer, Medizinischer Vorstand der Universitätsmedizin, betont. Jährlich nimmt die Klinik für Psychiatrie rund 1700 Patienten auf. "Psychische Erkrankungen nehmen zu, und wir verzeichnen auch immer mehr Akutpatienten", sagt Pfeiffer. Die meisten Menschen, die eingeliefert werden, leiden unter suchtbedingten psychischen Erkrankungen, unter Schizophrenie oder Depressionen. Sehr oft ist Suizidgefahr im Spiel.
Bislang verfügte die Klinik, die einen Vollversorgungsauftrag für die Stadt Mainz hat und damit alle Patienten aufnehmen muss, über zwei geschlossene Stationen. Künftig wird es nur noch eine geben, mit 18 Betten. Dort werden alle Patienten mit "hohem Gefährdungspotential" zusammengeführt. "Das ist übersichtlicher, wir versprechen uns davon ein effizienteres Risikomanagement", erklärt Prof. Dr. Klaus Mann, der als stellvertretender Klinikleiter fürs Notfallmanagement zuständig ist. Es sei von erheblicher Bedeutung, wie ein Akutpatient aufgenommen werde, vor allem, wenn er unter Stress stehe und aggressiv sei, betont Mann. "Unsere Mitarbeiter setzen alles dran, um deeskalierend zu wirken."
Die Qualifikation der Mitarbeiter spielt dabei eine entscheidende Rolle, wichtig sind aber eben auch die räumlichen Gegebenheiten. Die neuen Überwachungsräume für Akutpatienten, in denen Platz für bis zu vier Betten ist, bieten etwas Abgeschiedenheit und damit Privatsphäre; durch große Fenster sind sie jedoch gut an die Station "angeschlossen" und damit nicht komplett isoliert - das ist auch für die Pfleger wichtig. Mindestens eine Pflegekraft befindet sich immer in dem Überwachungsbereich, "hier haben wir rund um die Uhr eine Eins-zu-eins- oder Eins-zu-zwei-Betreuung", sagt Regina Petri von der Bereichsleitung Pflege. Kameras oder ähnliches gibt es aber nicht.
Der Patient ist Mittelpunkt aller Bemühungen - diesen Anspruch hat sich die Klinik auf die Fahnen geschrieben. Und deshalb freuen sich Mediziner wie Pflegekräfte, dass im Zuge der Umbaumaßnahmen drei Abteilungen - die geschlossene Station, die Station mit Schwerpunkt Schizophrenie und die Station für Geronto-Psychiatrie - saniert werden konnten. Flure und Patientenzimmer wurden farblich neu gestaltet, der Brandschutz erneuert. Besonders freut sich Regine Petri aber über die computergesteuerte Beleuchtungsanlage. Diese simuliert Tages- und Dämmerungsbeleuchtung und sorgt dafür, dass die Flure auch nachts gut ausgeleuchtet sind, ohne grell zu wirken. "Das ist wichtig für das Wohlbefinden, aber auch die Orientierung unserer Patienten."

