Für bessere Bedingungen
23.02.2010 - MAINZ
Von Oliver Kreft
TIERHEIM Keine Gebühr bei Abgabe / Streicheleinheiten von Besuchern
Jahr für Jahr steht das Mainzer Tierheim vor demselben Problem: Wie kann es gelingen, finanziell über die Runden zu kommen? Dass es gelingt, ist auch der Spendenbereitschaft in Teilen der Bevölkerung zu verdanken. Konsequent investiert das Tierheim in Maßnahmen zur Verbesserung der Lebensbedingungen seiner Tiere, und die rechnen sich unterm Strich.
Spenden notwendig
Bis zu 450000 Euro kostet es im Jahr, den Betrieb am Laufen zu halten. Die Personalkosten für die 13 fest angestellten Mitarbeiter liegen bei zirka 190000 Euro, die Kosten für Futter, Tierarzt, Laboruntersuchungen und Medikamente verschlingen rund 115000 Euro. Hinzu kommen monatlich 5000 Euro für Strom und Wasser und 3000 Euro für die Abfallentsorgung. Dem steht auf der Einnahmeseite der kommunale Zuschuss in Höhe von 120000 Euro gegenüber. Nur "dank Spenden, Mitgliedsbeiträgen und Erbschaften" gelinge es, eine schwarze Null zu schreiben, so die 1. Vorsitzende des Tierheims in privater Trägerschaft, Christine Plank.
Was sowohl Plank als auch Tierheimleiterin Anja Kunze antreibt, ist die Liebe zu den Tieren: "Wenn es für unsere Tiere gut läuft, dann ist das die beste Motivation für uns", sagt Kunze. Und es laufe vor allem dann gut, wenn etwa am Sonntag alle Hunde Gassi geführt würden und alle Katzen und Kleintiere von Besuchern Streicheleinheiten bekommen.
Überhaupt liegt das Wohl der Tiere Plank und Kunze am Herzen. Aktuell sind drei Projekte geplant, die allerdings nicht nur die Lebensbedingungen der Tierheimbewohner spürbar verbessern, sondern auch satte Einsparungen nach sich ziehen. So soll in 2010 eine zusätzliche Quarantänestation für Katzen eingerichtet werden. Der Nutzen liege auf der Hand, weiß Plank: Denn "bisher bestand die Gefahr, dass neu aufgenommene Katzen mit Pilzerkrankungen diese auf andere übertragen, die in derselben Quarantänestation untergebracht waren". Künftig werden zum einen weniger Krankheiten verschleppt und zum anderen deutlich weniger gesunde Katzen angesteckt, ist Plank überzeugt. Dadurch würden auch "unkalkulierbare Folgekosten" eingedämmt.
Weitere Projekte sind neue gemauerte Hundeunterkünfte in den Hundeausläufen anstelle der bisherigen Bretterverschläge und ein neuer Taubenschlag. Letzterer sei immens wichtig, da er eine versiertere Kranken- und Geburtskontrolle der rund 300 Tauben ermögliche. Für die Projekte lassen sich Zuschüsse vom Umweltministerium beantragen.
Die Zahl der in 2009 vermittelten Tiere kann sich sehen lassen: Von insgesamt 1600 Fund- und Abgabetieren wurden 800 Haustiere Privatpersonen übergeben und rund 500 Wildtiere - darunter etliche Eichhörnchen und Vögel - ausgewildert. Dabei unterliegt die Verweildauer der Tierheimbewohner starken Schwankungen. Manche als familienfreundlich geltende Katze sei nur eine Woche da. Andere haben den Nimbus des schwer Vermittelbaren wie die zwölf Jahre alte Schäferhunddame Trixi, die seit zehn Jahren quasi zum Inventar gehört.
Tierfriedhof
Im Besitz des Tierheims ist auch der benachbarte Tierfriedhof. "Der einzige in der Umgebung", betont Plank. Ein Grab für den verstorbenen Hund kostet 155 Euro für drei Jahre. Wer sein Tier dort bestatten lasse, dem biete sich die Möglichkeit, seine "Trauer über den Verlust besser zu bewältigen", weiß Kunze. Oft kämen Tierfreunde "mit Gleichgesinnten ins Gespräch, die einen verstehen". Und noch etwas unterscheidet das Mainzer Tierheim von anderen: "Wir verlangen kein Geld für die Abgabe von Tieren", sagt Plank. Bei der Vermittlung entfällt eine Schutzgebühr, die den Fortbestand der Arbeit sichert.

