Von Michael Heinze
ONKOLOGIE Gemeinnütziges Forschungsinstitut öffnet seine Pforten
Forschung, Diagnostik und Therapie von Krebserkrankungen oder Erkrankungen des Immunsystems werden in Rheinland-Pfalz künftig durch ein eigenständiges Institut an der Schnittstelle zwischen Wissenschaft und Wirtschaft verstärkt. Das neue Institut für translationale Onkologie ("Tron") ist auf dem Gelände der Universitätsmedizin im neuen Gebäude 708 untergebracht. Besser bekannt ist dieser Neubau durch den Umstand, dass auf seinem Dach der Rettungshubschrauber Christoph 77 landet.
Einzug ab Mitte März
Das gemeinnützige Forschungsinstitut wird als GmbH geführt und stellt eine strategische Ergänzung zum Forschungsangebot der Universitätsmedizin dar. Es soll dazu beitragen, den medizinisch-naturwissenschaftlichen Fortschritt aus der Forschung noch schneller in die Behandlung von Patienten einfließen zu lassen. "Unsere Motivation ist es, die Umsetzung von Innovationen in neue Medikamente und neue Diagnostika zum Nutzen vor allem von Krebspatienten zu beschleunigen", sagt Prof. Dr. Ugur Sahin, Professor für experimentelle Onkologie und Geschäftsführer des Instituts. Der Einzug in den dritten Stock des Gebäudes 708 soll ab Mitte März erfolgen; zunächst werden dort 51, im Endausbau zwischen 90 und 120 Mitarbeiter beschäftigt sein. In dem Verfügungsbau ist bereits das Institut für Immunologie untergebracht.
Partnerschaften
Laut Professor Sahin mangelt es nicht an Ideen und Innovationen aus dem akademischen Kontext, sondern an der Umsetzung. Der Onkologe spricht von einem "globalen Problem". Die Arzneimittelproduktion werde zunehmend komplexer. Selbst große Firmen täten sich schwer damit, neue Medikamente zu entwickeln. Dies gehe oft nur in Partnerschaften - und dafür brauche man Modellinstitute wie das "Tron", das mit seinen Werkzeugen und seiner Expertise als Bindeglied zwischen universitärer Forschung und Unternehmen aus dem pharmazeutischen und medizintechnischen Bereich sowie insbesondere einer Gruppe von biotechnologischen Start-Up-Unternehmen fungieren soll.
"Neue Wege beschreiten"
"Dieses Institut ist schon etwas Besonders, weil wir damit in der Medizin einen neuen Weg beschreiten, indem wir anwendungsorientierte Forschung auf den Weg bringen", betont Wissenschaftsministerin Doris Ahnen. Man sei "optimistisch, dass es tatsächlich ein Spitzenforschungsinstitut mit nationaler und internationaler Ausstrahlung wird". Auch in den Augen von Prof. Dr. Georg Krausch, Präsident der Johannes Gutenberg-Universität, ist "Grundlagenforschung ganz wichtig, denn dort entstehen die neuen Ideen, aus denen man hinterher etwas machen kann". Von zentraler Bedeutung sei es aber eben auch, deren Ergebnisse so schnell wie möglich umzusetzen. Laut dem Medizinischen Vorstand Prof. Dr. Norbert Pfeiffer unterstreicht "die für die Universitätsmedizin Mainz erste Ausgründung überhaupt die strategische Ausrichtung auf eine Spitzenmedizin". Mit dem neuen Institut bleibe man "ein wichtiger Wachstumsmotor in der Region".

