Von Michael Erfurth
Die Mainzer sind stolz auf die Tradition der politisch-literarischen Fastnacht, Zielscheibe närrischen Spotts sind dabei auch Mainzer Politiker aller Couleur. Dass es in dieser Kampagne nach der beispiellosen Krise um die Wohnbau besonders den Oberbürgermeister trifft, darf nicht verwundern. Dennoch will sich Jens Beutel (SPD) den närrischen Attacken aussetzen, wie sein Sprecher Markus Biagioni versichert: „Der OB besucht in dieser Kampagne wie immer zahlreiche Sitzungen und macht keine Abstriche. Allen Einladungen zu folgen ist aber terminlich unmöglich.“
„Gutenberg“ Hans-Peter Betz startet seinen Vortrag beim Gonsenheimer Carneval-Verein (GCV) mit der Wohnbau. Beutel wird diese Spitzen aber nicht in der Gonsenheimer Narrhalla, sondern erst in einem anderen Saal erleben. Denn der OB hat seine Karten für die GCV-Sitzung zurückgegeben. Fünf Minuten lang seziert Betz das Desaster und die Rolle des OB. „Das ist das wichtigste kommunalpolitische Thema, das darf man nicht ausblenden“, so der GCV-Sitzungspräsident. Bei den bisherigen GCV-Sitzungen sei dies beim Publikum sehr gut angekommen. „Wer dies totschweigt, hat seinen Anspruch auf die politisch-literarische Fastnacht verloren“, sagt Betz, der den Eindruck hat, dass dies bei anderen Vereinen zuweilen der Fall sei.
Beutels Parteifreund Ebling übt Zurückhaltung
Die Bohnebeitel sind so etwas wie der Heimatverein für den Mombacher Jens Beutel – doch auch hier bekommt er sein närrisches Fett weg. So stimmen die Maledos den Klassiker „Wenn bei Capri die rote Sonne...“ mit entsprechendem Text an – in Anspielung an die umstrittene Reise des Stadtoberhaupts auf Einladung der Stadtwerke-Tochter ÜWG. Auch Horst Radelli als „Wilhelmine Windhund“ zielt auf Wohnbau und OB. Zurückhaltung indes übt der Bohnebeitel-Protokoller: Schließlich ist Michael Ebling Mainzer SPD-Vorsitzender und somit Parteifreund Beutels.
Beim Mainzer Carneval Club (MCC) wird das Thema von jungen Aktiven wie Sebastian Grom und Julian Seitz gestreift, „Till“ Friedrich Hofmann als Aushängeschild des Clubs indes verkneift sich die Attacke auf den OB in der Jubiläumskampagne, die unter dem Motto „Allen wohl und niemand weh – 111 Jahr’ MCC“ steht.
Kommunalpolitik bei den "Meenzer Drecksäck"
Auch der „Bote vom Bundestag“ Jürgen Dietz spart beim Mainzer Carneval-Verein (MCV) das Thema aus, schließlich würden von Protokoller Horst Mundo, von Adi Guckelsberger, von einem neuen politischen Redner, dessen Name der MCV noch geheim hält, und in musikalischen Beiträgen Wohnbau und OB ausreichend „gewürdigt“. Dietz: „Man muss aufpassen, dass ein Thema in einer Sitzung sich nicht zu sehr wiederholt.“ Er habe auch schon „sehr plumpe“ Vorträge dazu gehört.
Bei den „Meenzer Drecksäck“, die einst von Mainzern aus dem grün-alternativen Spektrum gegründet wurden, spielt die Kommunalpolitik von jeher eine große Rolle. In mehreren Vorträgen wird es daher bissige Bemerkungen zur Wohnbau geben. Christoph Reitz zum Beispiel kommentiert das Verhalten Beutels in einem Lied mit dem Vers „...als OB stellt man sich taub, denn überm Gras liegt auch noch Laub.“
Wahrscheinlich ein Bürgermeister auf der Bühne am zweiten Fastnachtswochenende
Die Drecksäck-Sitzungen werden wieder vom Duo Günter Beck und Birgit Schütz moderiert – wobei Schütz sich des Themas mit spitzen Bemerkungen annehmen wird, Beck indes einen närrischen Spagat üben muss. Der Grünen-Politiker und Pächter der Wohnbau-Immobilie Alte Patrone wird beim ersten Sitzungswochenende noch Sprecher der Grünen-Stadtratsfraktion sein. Am zweiten Fastnachtswochenende steht bei den Drecksäck wahrscheinlich ein Bürgermeister auf der Bühne: Denn am 10. Februar will die Ampelkoalition im Stadtrat Beck in dieses Amt wählen.


Mainzer Bürgermeister Beutel und Wohnbau sind Ziel des närrischen Spotts
Das OB Beutel Gegenstand der Mainzer Fastnacht wird - ist okay. Wo aber bleibt aber der Spaß über den einstigen Ober-Fastnachter Laub und seine Fastnachtsbrüder und -schwestern. Aber da müssten sich die ach so lustigen Fastnachter selbst auf die Schippe nehmen. Und da hört bekanntlich der Spaß in und mit der Fastnacht auf. Helau!