Von Christopher Scholz
AUSSTELLUNG Dortmunder Künstlerin Wachholz ergreift Besitz vom Eisenturm
Auf dezente wie eindrucksvolle Weise hat die Dortmunder Künstlerin Adriane Wachholz die "Bastion" des Kunstvereins Eisenturm am Fritz-Arens-Platz 1 mit ihrem Werk eingenommen. In dreiwöchiger Arbeit hat sie sich mit den Räumlichkeiten auseinandergesetzt, sie teilweise in frischem Weiß gestrichen, damit ja nichts von ihren zum Teil recht kleinen und scheinbar unauffälligen Arbeiten ablenkt.
"Von Zeit zu Zeit im freien Fall" nennt sie das Ergebnis: Bleistiftzeichnungen mit Acryl und Lack, die gleichermaßen viel weiße Wandfläche wie Platz für Fantasie und Interpretation lassen. Ein Raum allerdings ist mit einer Installation komplett ausgefüllt, hier krümmt sich ein Boden aus Papierfliesen gen Decke und suggeriert so etwas wie eine vierte Dimension - währenddessen werden Bilder eines kenternden Segelbootes und von tänzelnden Seerosen auf die Fliesen projiziert.
In den Nachbarräumen sind seltsam entrückt wirkende Kinder zu sehen, ein quasi klassischer Geist in weißem Umhang, ein auf die Wand direkt aufgezeichneter Kamin, der mit Projektionen von züngelnden Flammen, Feuerhagel und einem unheilvoll erscheinenden Vogelschwarm "heimgesucht" wird, der wiederum sein greifbares Pendant in einer bewegten Plastik findet.
Mit diesem "vieldeutigen, schönen, beunruhigenden Traumszenario", erklärt Dr. Ulrike Brandenburg in ihrer Einführung, steckt die 1979 in Polen geborene Künstlerin "Möglichkeitsfelder der Wahrnehmung der Fantasie und des Traumes" ab. In dieser Welt, die Wachholz so passgenau zum Teil nur für diese Ausstellung entworfen hat, sei "jedes Zeichen kulturell konnotiert und zugleich seinem genuinen Kontext enthoben".
Nicht das Gezeigte im Detail ist verstörend, es sind vielmehr die ungewöhnlichen Bedingungen, unter denen sie es präsentiert, die dem Betrachter gewissermaßen den Boden der Tatsachen entziehen und ihn in eine ungewöhnliche Welt(-sicht) tauchen lassen.
Bis 24. Januar. Geöffnet Mittwoch von 16 bis 19, Samstag und Sonntag 11 bis 17 Uhr.

