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Mainz 

Der Einfluss der Sonne auf den Klimawandel

17.10.2009 - MAINZ

Von Andreas Schröder

VORTRAG Forscher weist Veränderungen durch den Menschen nach

Ist der Klimawandel der letzten 30 Jahre hausgemacht? Oft werden gerade in der politischen Debatte natürliche Einflussfaktoren als alternative Ursachen diskutiert. Einen dieser Faktoren, unsere Sonne, nahm Dr. Bernd Kromer aus Heidelberg in seinem Vortrag "Klimaschwankungen der letzten 10000 Jahre: Ist die Sonne schuld?" unter die Lupe - mit beunruhigendem Ergebnis.

Sonnenaktivitäten

Bernd Kromer ist Leiter des Radiokarbon-Labors der Hei-delberger Akademie der Wis-senschaften und ein Experte für die Baumring-Chronometrie und das in der Atmosphäre gebildete Kohlenstoffisotop 14C. Sein wissenschaftlicher Ansatz ist ein Vergleich der Sonnenaktivitäten der letzten 10000 Jahre und der Klimaän-derungen im selben Zeitraum. Das Verständnis natürlicher Antriebsmechanismen im Sy-stem Erde sei wichtig, um zum Beispiel Auswirkungen des Treibhauseffekts beurteilen zu können. "Wenn wir sie nicht verstehen, können wir keine Aussagen machen, in wie weit der Mensch eingegriffen hat", betonte Kromer.

Aus in der Arktis und Antarktis gewonnenen Eiskernen wisse man, dass es auf der Erde sehr starke und kurzzeitige Klimaschwankungen geben könne, so Komer. Neben historischen Aufzeichnungen geben vor allem Baumringrekonstruktionen und Isotope in Korallen Aufschluss über zurückliegende Kältephasen. Eine schriftliche Dokumentation der Sonnenaktivitäten gibt es erst seit dem frühen 17. Jahrhundert. Damals beobachteten Galileo Galilei und der Ingolstädter Jesuitenpater Christoph Schreiner zum ersten Mal die Sonnenflecken - "prominente Charakteristika der magnetischen Aktivität der Sonne", so Kromer.

Die relativ kurze Zeitspanne von mehreren hundert Jahren reiche aber nicht, um längere Zyklen in die Analyse mit einzubeziehen. Für die Zeit vor Schreiner und Galilei komme daher dem Kohlenstoff 14C entscheidende Bedeutung zu. Dieser wird in einer Reaktion in der Atmosphäre der Erde gebildet. Kromer weiß: "Die Produktion der Kohlenstoffnu-klide wird durch die Sonnenstoffaktivität moduliert." Wie viel 14C in einem bestimmten Jahr produziert wurde, lässt sich Ablagerungen in Baumringen entnehmen.

Das Ergebnis von Kromers Vergleich ist beunruhigend. Über weite Teile des Betrach-tungszeitraums stimmen Pha-sen niedriger Sonnenaktivität mit Kälteperioden auf der Erde überein. Nur der "beschleunigte Klimawandel seit 1970 lässt sich nicht allein mit dem Ver-lauf der Sonnenaktivitäten erklären", fasst der Forscher seinen Bericht zusammen.

Vortragsreihe

Kromers Vortrag war der siebte Teil der insgesamt zwölf Abende umfassenden Reihe "Klimazeitreise", die vom Forschungszentrum Geocycles und dem Max-Planck-Institut für Chemie (MPCh) in Koope-ration mit der AZ veranstaltet wird. Die Vorträge erfreuen sich mittlerweile einer solchen Beliebtheit, dass die Organisa-toren den Beitrag "Klimapro-zesse heute: Wolken, Aerosole, Wasserkreislauf" am kommen-den Mittwoch aus Platzgründen in das "Haus am Dom" verlegen mussten.

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