KLIMAZEITREISE Erkenntnisse aus Eifelmaaren
(bkn). Rund 40000 Jahre zurück lässt sich die Geschichte unseres Klimas verfolgen. Dorthin nahm Professor Frank Sirocko vom Institut für Geowissenschaften der Johannes Gutenberg-Universität die Zuhörer mit, die zum sechsten Vortrag der Reihe "Klimazeitreise" im Erbacher Hof ihr Interesse für wissenschaftliche Themen demonstrierten. Veranstalter im Rahmen des Wissenschaftsjahres ist das Forschungszentrum Geocycles, dem auch die Max-Planck-Institute sowie das Römisch-Germanische Zentralmuseum angehören, unterstützt durch die Allgemeine Zeitung.
Zu welch interessanten Ergebnissen diese Zusammenarbeit führen kann, demonstrierte Sirocko anhand zahlreicher Abbildungen. Der Geologe und sein Team bedienen sich für ihre Forschungsarbeit umfangreicher Erdproben, die aus den Eifelmaaren stammen, in denen sich Erdschichten relativ ungestört anlagern können. Die dort gestochenen Sedimentkerne werden auf vielfältigste Art und Weise analysiert. So gibt der Caesiumgehalt Hinweise auf Tschernobyl oder Atomtests, die Auswertung von Pollen kann den Wissenschaftlern Auskunft geben, ob zu einer bestimmten Zeit Wald oder Ackerbau in der Region vorherrschte. Selbst häufiges Hochwasser lässt sich aus der Farbe der Erdschicht leicht ablesen. Weitere Erkenntnisse gewinnen die Forscher durch fossile Baumstämme. Die Untersuchung eines bestimmten Kohlenstoffisotops gibt Auskunft über die Kraft der Sonne in der Wachstumsphase, außerdem ist eine genaue Altersbestimmung möglich, so dass sich die Sonnenaktivität einem Zeitraum zuordnen lässt.
Sirocko und sein Team haben diese Erkenntisse historischen Ereignissen und archäologischen Ausgrabungen gegenübergestellt und sind damit auf dem besten Weg, Erklärungen für bisher rätselhafte Entwicklungen zu finden. So passt der Beginn der "kleinen Eiszeit" um 1300 sehr gut zusammen mit dem plötzlichen Rückgang von Stadtgründungen, Ernteausfällen und Hungersnöten einige Jahrzehnte später. Auch die Völkerwanderungen in früherer Zeit könnten, so Sirocko, ihre Ursache in einer Abkühlung des Klimas und den damit verbundenen Problemen haben. Grund für eine Abkühlung muss nicht immer die Sonnenaktivität sein, auch große Vulkanausbrüche haben in der Vergangenheit für ein oder zwei Jahre eine Art Staubschicht um die Erde gelegt, die die Sonneneinstrahlung bremste, und zu erstaunlichen und für damalige Zeiten unerklärlichen Phänomenen geführt hat.

