Von Michael Heinze
TÄTER-OPFER-AUSGLEICH Fachtagung im Haus des Jugendrechts
Der Täter-Opfer-Ausgleich (TOA) ergänzt sinnvoll strafrechtliche Sanktionen. Das betonte Dr. Wolfram Schädler, Bundesanwalt beim Bundesgerichtshof, bei einem Fachtag, zu dem die Bundesarbeitsgemeinschaft TOA sowie der Mainzer Verein "Tatausgleich und Konsens" ins Haus des Jugendrechts geladen hatten. "In vielen Fällen wird Opfern so die Angst davor genommen, dem Täter wieder zu begegnen", sagte Schädler, der auch Zweiter Vorsitzender von Tatausgleich und Konsens ist.
"Der TOA und alle auf Streitbeilegung ausgerichteten Vermittlungsansätze genießen in Rheinland-Pfalz und besonders auch in Mainz einen hohen Stellenwert", machte Klaus Puderbach, Leitender Oberstaatsanwalt und Vorsitzender von Tatausgleich und Konsens, deutlich. Sein Verein wolle diesen Trend verstärken. "Der Erhalt eines friedlichen sozialen Gefüges ist für die Menschen, die hier leben, unverzichtbar", so Puderbach. "Dabei spielt die Ausgestaltung des Strafrechts eine besondere Rolle." Daher engagiere man sich seit Jahren für den Ausbau des TOA sowie Maßnahmen, die der Wiederherstellung des Rechtsfriedens dienen.
Kontroverses zu Tage förderte ein Streitgespräch über das Pro und Contra bei schwersten Straftaten zwischen Bundesanwalt Schädler sowie Siegfried Kauder, Mitglied im geschäftsführenden Vorstand des Weißen Rings und im Rechtsausschuss des Bundestages. Fakt ist: Der für den TOA zentrale Paragraf 46a des Strafgesetzbuches schließt keinen Deliktsbereich aus. Die Gesetzgebung erlaubt Betroffenen, selbst Initiative zu ergreifen, um autonome Lösungen zu suchen. Andererseits wird immer wieder gesagt, der TOA sei nur dem Bereich der leichten und mittleren Kriminalität zuzuordnen.
"Ich würde nicht sagen, dass wir den TOA bei schweren Straftaten anwenden müssen", resümierte der Initiator des Fachtags, Gerd Delattre, Leiter des Servicebüros für TOA und Konfliktschlichtung im Verein Tatausgleich und Konsens. "Dort, wo es Betroffene wünschen, dürfen wir ihnen den TOA nicht versagen." Laut Delattre hat sich die Tagung auch deshalb gelohnt, weil es gelungen sei, "über den Tellerrand zu blicken und zu erfahren, was draußen in der Welt los ist".

