Von Daniel Honsack
„Wofür bin ich verantwortlich?“ Mit dieser Frage hatten sich 120 Schülerinnen und Schüler der gymnasialen Oberstufe in Rheinland-Pfalz und Hessen befasst. In Einzel- oder Gruppenarbeiten haben sie sich um den Kardinal-Volk-Preis der „Jungen Akademie“ des Erbacher Hofes beworben. „Der Aufruf zu Verantwortung ist von jedermann zu hören“, sagte Studienleiterin Dr. Bernadette Schwarz-Boenneke in ihrer Begrüßung. Unbestimmtheit und Entleerung des Begriffs seien zunehmend die Folge dieser vielfachen Aufforderungen.
„Die Jugendlichen haben diese Unbestimmtheit aufgegriffen und gespiegelt, sie sind konkret geworden“, lobte sie zu Beginn alle Teilnehmer der „Jungen Akademie“, zu der 24 Schülerinnen und Schüler gekommen waren. Bei dieser Tagung haben sie sich intensiv mit dem Verantwortungs-Begriff auseinander gesetzt und ihre Positionen in Gesprächen mit Vertretern aus Wirtschaft, Medien, Kirche und Soziales überprüft und hinterfragt. „Die Tagung selbst ist bereits ein wesentlicher Teil des Preises“, unterstrich sie.
Schirmherr Weihbischof Dr. Ulrich Neymeyr äußerte die Überzeugung, dass aus der Sicht Jesu alle Menschen vor Gott verantwortlich seien, „auch diejenigen, die seine Botschaft nicht kennen“. So habe Jesus schließlich im Neuen Testament formuliert: „Was ihr dem Geringsten meiner Brüder getan habt, habt ihr mir getan“. Jeder Mensch, so der Weihbischof, habe ein Gewissen, das, wenn er es bilde und forme, wie eine Kompassnadel den richtigen Weg weise. Es sei die Aufgabe des Menschen, seine Talente zu entfalten, um damit seiner Verantwortung gerecht zu werden.
Die Jury unter Leitung von Dr. Paul Platzbecker hatte in diesem Jahr einige Preise doppelt vergeben. Fünf Schüler des Stefan-George-Gymnasiums in Bingen, die eine Ausgabe der Schülerzeitung „Blattwerk“ dem Thema Verantwortung gewidmet haben, erhalten den dritten Preis. Ebenso Konstantin Korenchuk aus Bad Kreuznach für seinen Film, der von einem Krankenhaus-Praktikanten handelt, der ein todkrankes Mädchen betreut. Auf Platz zwei kam Ruth Bucherer aus Dieburg, die sich mit einer Arbeit in Öl und Acryl in besonders ausdrucksstarker Weise mit Kinderarmut in Afrika befasst hatte.
Der mit 500 Euro dotierte Erste Preis ging an Julia Brückmann, Stefanie Gebert, Anika Herd und Anastasia Krjukow, die ebenfalls in Dieburg zur Schule gehen. Sie haben einer Gruppe geistig behinderter Mädchen in Körper- und Vertrauensübungen Verantwortung übertragen und sie damit die Selbstverpflichtung und Freude aus dem Zutrauen empfinden lassen, das diese in der Regel nicht erleben.

