Von Andreas Trapp
KLIMAZEITREISE Vortrag führt ins Paläozän
Die Zeitmaschine ging im Erbacher Hof erneut vollständig bemannt auf ihre vierte Klimazeitreise. Unter der Leitung des Reiseführers Prof. Dr. Jörg Pross vom Institut für Geowissenschaften der Goethe-Universität Frankfurt ging es etwa 55 Millionen Jahre zurück, in die Zeitalter Paläozän und Eozän. Ziel des Ausflugs, der unter dem Thema "Treibhausgase und Klimawandel - Lektionen aus der Erdgeschichte" stand, war die Verdeutlichung der möglichen Folgen des heutigen Klimawandels für das "System Erde".
"Da Zukunftsszenarien immer nur hypothetisch sind, empfiehlt sich hierbei ein Blick auf die Erdgeschichte, also auf bereits belegbare Vorgänge", erläuterte Pross den Weg in die Vergangenheit. Anhand des 170000 Jahre andauernden Paläozän-Eozän-Temperaturmaximums (PETM) erläuterte der Reiseleiter die Auswirkungen einer massiven Erderwärmung.
Innerhalb weniger 1000 Jahre kam es während dieser Epoche durch eine hohe Konzentration von Treibhausgasen in der Atmosphäre zu einer globalen Erwärmung. Die Temperaturen stiegen von 18°C im späten Paläozän bis auf über 23°C im PETM. Dieser für die Klimaforscher sehr rasche Temperaturanstieg brachte natürlich zahlreiche Veränderungen mit sich. Unter anderem waren dies die Verbreitung tropischer Algen über den ganzen Globus hinweg, massive Faunenwanderungen und Veränderungen der Körpergrößen der Tiere. So gab es während des PETM zahlreiche Zwergformen, beispielsweise 50 Zentimeter große Pferdearten. Die Wissenschaftler führen dies auf den damals sehr hohen atmosphärischen CO2-Gehalt zurück. Dieser sorgte für einen geringeren Proteingehalt im Laub, was geringere Nährwerte zu Folge hatte und sich die Tiere in ihrer Evolution daher verkleinern mussten. Angesichts des Klimawandels starb unterdessen eine Vielzahl bestehender Tierarten aus und es entwickelten sich neue Arten.
Für die Ursache des damaligen Temperaturanstiegs genügte bereits die leichte Erwärmung des Ozean-Bodenwassers. Dort lagerten Gashydrate, ein eisartiges Materialgemisch aus Methan und Wasser - "brennendes Eis" genannt. Durch Erwärmung im Wasser stieg das Gashydrat auf, das Methaneis schmolz, wurde gasförmig und gelangte in die Atmosphäre, wo es schließlich zu CO2 oxidierte und einen enormen Treibhauseffekt auslöste.
"Die Relevanz für uns liegt hierbei darin, dass auch heute gewaltige Mengen Gashydrat in den Ozeanböden gespeichert sind", klärt Pross auf. Verändert sich das Klima also und steigt die Temperatur weiterhin an, ist in mehreren tausend Jahren ein zweites PETM möglich.

