(dri). Die Erde vor etwa 65 Millionen Jahren: Die durchschnittliche Temperatur liegt etwa 10 Grad höher als heute. Die Kontinente, vor allem Europa und Asien, gleichen einer Insellandschaft. Der Meeresspiegel liegt ungefähr 200 bis 300 Meter höher als heute. An den Polen gibt es keine Gletscher, so dass "sogar Krokodile bei Plustemperaturen auf den Polen spaziert sein können", schildert Prof. Dr. Jens Olaf Herrle von der Universität Frankfurt bei seinem Vortrag "Die schwarze Kreide: Sauerstoffmangel im Ozean" in der Reihe "Klimazeitreise" im Erbacher Hof.
In der Kreidezeit lief das Klima in einem anderen Modus. Durch die hohen CO2-Gehalte lagen die Temperaturen etwa zehn Grad höher. In den Tiefen der Ozeane mangelte es daher an Sauerstoff. "Alleine die wesentlich größere Wasseroberfläche hat damals dazu geführt, dass die Temperatur um zwei Grad höher lag", sagte Herrle, der erklärte, dass das heutige Klima für die Erde in den letzten 600 Millionen Jahren "eher untypisch" ist.
Vereisung und Gletscherbildung an den Polen seien in der Erdgeschichte eher die Ausnahme gewesen. "Die Ablagerungen aus dieser Zeit verraten uns heute, wie die Erde in extremen Warmphasen reagiert", sagte Herrle. Vor allem die Ablagerungen von Schwarzschiefer, der sich während extremer Wärmephasen bildet, können Rückschlüsse auf Temperaturveränderungen zulassen. Denn Schwarzschiefer sei ein wesentlicher Steuerungsfaktor in der langfristigen Klimaentwicklung. Durch den erhöhten CO2-Ausstoß des Menschen entwickle sich jedoch ein Treibhauseffekt, der dem der Kreidezeit ähneln könnte. Dieser Trend sei nur schwer zu stoppen.

