Von Maximilian Jäger
Windhosen und Morgennebel auf dem Mars, das ist keine Science-Fiction, sondern Realität. Allerdings bestehen die Nebel in den Tälern unseres durchschnittlich minus 60 Grad kalten Nachbarn aus Kohlendioxid, und was die Windhosen in die Luft befördern, ist bloßer Staub. Doch der rote Planet könnte durchaus einmal belebt gewesen sein, erzählt der Planetenphysiker Prof. Tilman Spohn.
Der Mainzer Forscher arbeitet am Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt in Berlin und fahndet nach den Spuren von Leben im All. Am Mittwoch läutete er vor etwa 130 Zuhörern im Erbacher Hof die zwölfteilige Reihe “Klimazeitreise“ ein, wöchentliche Vorträge von Wissenschaftlern über die Klimageschichte der Erde. Außerhalb unseres Heimatplaneten suchen die Wissenschaftler nach Wasser und Kohlenstoff. Aber Leben kann auch unter ganz anderen Umständen existieren: Auf Basis von Silizium beispielsweise, oder in einer Atmosphäre aus Methan.
Die Suche nach fremdem Leben ist jedoch ernüchternd. Es gebe nicht einmal eine befriedigende Definition für “Habitabilität“-Kriterien für mögliches Leben, beklagt Spohn. Einer der Kandidaten ist der Saturnmond Titan. Unter einer dicken Eisschicht könnte es Eismeere geben. Auch in den Tiefen der Marskruste hoffen Wissenschaftler auf Wasserspuren, die Leben fördern könnten. Für höheres Leben vermuten die Forscher jedoch komplexere Grundlagen. Plattentektonik beispielsweise sorgt dafür, dass der Kern im Laufe der Jahrmillionen abkühlt, wie ein Eintopf, den man stetig rührt, so dass sich eine feste Kruste bilden kann.
Frühere Lebewesen benötigten keine Sonne
Für diese Annahmen gehen die Geophysiker von Beobachtungen auf der Erde aus. Ohne die Tektonik wäre beispielsweise kein Magnetfeld entstanden, das uns vor der Sonnenstrahlung schützt. Doch Sauerstoff war nicht zwingend nötig. Das früheste Leben vor vier Milliarden Jahren, “Archäen“ und Bakterien, existierte in einer reinen Kohlendioxidatmosphäre, die sich mit Methan anreicherte. Sauerstoff entstand überhaupt erst vor 2,2 Milliarden Jahren.
Und während das heutige Leben die Sonne benötigt, konnten sich frühere Wesen allein mit Hilfe der Erdressourcen über Wasser halten. Doch die Geduld von Mutter Natur verlangt der Planet auch von den Raumforschern: die nächste große Marsmission der ESA mit dem “ExoMars“-Rover findet erst 2016 statt.

