Von Caroline Kögel
Die Zahl der Schweinegrippe-Fälle steigt an. Vor Ort sind nur zwei Fälle bekannt, bei denen Mainzer sich in Mexiko beziehungsweise in den USA mit dem Virus H1N1 identifizierten. Trotzdem bereiten sich Kliniken und Firmen auf eine Verbreitung der Krankheit vor. So hat das Katholische Klinikum Mainz seit 1. Mai einen Pandemie-Plan, der mit dem Gesundheitsamt abgestimmt ist. Er regelt, wie viel Schutzkleidung, Mundschutz-Masken, Desinfektionsmittel oder Antibiotika vorrätig sind, aber auch wo Patienten, die an Schweinegrippe leiden, eingeliefert werden. “Mit der Uniklinik haben wir Räume festgelegt, in denen die Patienten isoliert werden", erklärt Hubert Holz, Hygienebeauftragter Arzt im KKM. “Außerdem haben wir Antibiotikabestände modernisiert, die wir für Begleiterkrankungen brauchen.Da haben wir Vorrat für etwa drei Wochen."
Der Medizinische Vorstand der Universitätsmedizin, Prof. Norbert Pfeiffer, berichtet, auch die Uniklinik habe ihren Vorrat an Arznei und Schutzkleidung erhöht. Falls eine größere Zahl von Patienten aufgenommen werden müsste, stünden Isolierabteilungen bereit. Pfeiffer betonte, es gebe keinen Grund zur Panik. Die “Neue Grippe" verlaufe ähnlich einer “normale" Grippewelle im Winter. Erster Ansprechpartner für Betroffene seien Hausarzt oder Hausärztlichee Notdienst. Patienten mit leichten Symptomen würden von diesen “in die häusliche Isolation entlassen". Nur Patienten mit schweren Symptomen kämen ins Krankenhaus. Dr. Holz vom KKM ergänzt, die Klinik-Mitarbeiter würden in Schulungen und Merkblättern aufgeklärt, welche Desinfektionsmittel wann und wie angewendet werden. Auch mache das KKM bei der Aktion “Saubere Hände" mit. “Die Sauberkeit der Hände ist die wichtigste Maßnahme, um die Übertragung der Krankheit zu verhindern", so Holz und Pfeiffer.
Bei den Unternehmen geht es neben Gesundheitsschutz darum, die Produktion sicherzustellen. “Wir haben geregelt, wo wir Rohstoffe herbekommen, wenn wir sie nicht mehr von unserem Lieferanten bekommen können, und welcher Mitarbeiter wann und wo einspringt, wenn mehrere Kollegen in einer Abteilung ausfallen", berichtet die Amtsärztin der Schott AG, Dr. Margit Emmerich.
Auch seien Schilder vorbereitet, die im Ernstfall Beschäftigten, bei denen Grippe-Verdacht besteht, einen anderen Eingang zuweisen. “Im schlimmsten Fall könnte es dazu kommen, dass wir den Mitarbeitern am Eingang Fieber messen", so Emmerich. “Gegebenenfalls haben wir gesonderte Räume für Mitarbeiter mit Fieber." Schott-Beschäftigte, die in Länder fliegen, die von der WHO als gefährlich eingestuft sind, bekommen Masken, Desinfektionsmittel und fiebersenkende Mittel mit.
Auch beim SWR überarbeitet man den Notfallplan. Im Falle eines Falles wird ein Krisenstab gebildet und über eine Minimalbesetzung der Redaktionen nachgedacht, um den Betrieb aufrecht zu erhalten. “Konkrete Regeln für Dienstreisen oder für Mitarbeiter gibt es noch nicht, die entnimmt ja eh jeder den Sendungen", erklärt Wolf-Günther Gerlach von der SWR-Pressestelle.
In Schulen besteht derzeit keine Ansteckungsgefahr, doch was passiert, wenn ein Kind mit Schweinegrippe aus den Ferien zurückkehrt? “Dann wird in Abstimmung mit dem Gesundheitsamt geschaut, ob Hygienemaßnahmen ausreichen, die Klasse oder die Schule frei bekommt", sagt Stephanie Burlage (Gesundheitsministerium).
RPR dementierte Berichte, wonach H1N1 das RPR1. Open Air am 22. August gefährde, da Amelle Berrabah und Heidi Range von den “Sugababes" infiziert seien. Ihr Management habe eine Erkrankung bestätigt, aber nicht, dass es Schweinegrippe sei. Der Auftritt in Mainz finde statt.

