Von Kirsten Strasser
„Kuck mal, das hab ich gemacht.“ Stolz streckt ein kleines Mädchen einer jungen Frau einen mit Fischen und Muscheln beklebten Bilderrahmen entgegen. Eine ganz normale Kindergartenszene – eigentlich. Doch die Frau, die jetzt das Bastelwerk bewundert, ist keine Erzieherin, sondern eine Mutter, die in der Kita Marienborn als Helferin eingesetzt ist.
Es ist wieder Streik-Tag an diesem Montag, die öffentlichen Kindertagesstätten haben wieder einmal geschlossen – bis auf zehn Notdienst-Kitas, übers Stadtgebiet verteilt. Eine Besonderheit gibt es dabei in Marienborn: Hier stemmen Eltern und nicht streikende Erzieherinnen Seite an Seite den Notdienst – und schaffen es so, rund 60 Kinder aus Marienborn, Lerchenberg und Berliner Viertel von 8 bis 17 Uhr zu betreuen.
Es gehe nicht darum, streikenden Erzieherinnen in den Rücken zu fallen oder der Stadt zu helfen, stellt Carola Herbrik, Vorsitzende des Elternausschusses, klar. „Uns Eltern war es einfach wichtig, dass vor allem die Kinder wieder in ihren normalen Alltag zurückfinden, in ihrer vertrauten Umgebung betreut werden.“ Die zuständige Sachbearbeiterin vom Jugendamt habe zwar regelrecht „bearbeitet“ werden müssen, bis die Zustimmung, die Einrichtung in Marienborn zur Notdienst-Kita zu erklären, erteilt wurde; jetzt laufe aber alles wie am Schnürchen.
Arbeiten Hand in Hand
Die Bereitschaft der Eltern, sich für ein paar Stunden am Tag zum „Dienst“ einteilen zu lassen, sei groß, betont Carola Herbrik; und beileibe nicht nur bei Müttern in Babypause, der derzeit nicht arbeiten gehen. „Auch Berufstätige machen ihre Mithilfe möglich.“ Diese ist hochwillkommen, bestätigen die nicht streikenden Erzieherinnen Yasemin Ozcelik, die zum Personal der Kita Marienborn gehört, und Sandra Elsässer, deren Arbeitsplatz eigentlich die Kita Berliner Viertel ist. „Die Eltern sind voll integriert, wir arbeiten Hand in Hand“, sagt Sandra Elsässer. Dennoch – der Wunsch nach einem Streik-Ende sei sowohl bei den Eltern als auch bei Erzieherinnen groß.
„Anfangs war das Verständnis für den Streik bei den Eltern noch groß, sie haben Glück gewünscht. Doch langsam bröckelt’s“, sagt Yasemin Ozcelik. Was auch Kollegin Elsässer verstehen kann. „Es bleibt halt viel liegen. Elterngespräche können nicht geführt, Projekte nicht vorbereitet werden.“ „Vielleicht bringen die laufenden Verhandlungen Ergebnisse – und wir müssen keine Notdienste mehr stemmen“, hofft auch Carola Herbrik. Die Eltern seien sich aber einig – kommt es zu weiteren Streiks, wollen sie weiter mitarbeiten.
Keine Rückerstattung von Beiträgen
Jugend- und Finanzdezernent Kurt Merkator freut sich über dieses Engagement („einfach toll“) – er hofft, dass die Streiks zumindest in der Landeshauptstadt bald ein Ende haben. „Die Mainzer sind genug strapaziert.“ Laut Merkator gibt es mittlerweile einige Anfragen nach Rückzahlung von Elternbeiträgen.
Rein rechtlich gebe es keinerlei Rückforderungsansprüche bei Streiks, so der Dezernent. Auch der Antrag des Stadtelternausschusses, das „gesparte Geld“ – streikende Erzieherinnen werden nicht bezahlt – in Kita-Außengelände zu stecken, könne nicht einfach umgesetzt werden. Setzten sich die Gewerkschaften mit ihrer Forderung nach mehr Lohn für Erzieherinnen durch, kämen erhöhte Kosten auf die Stadt zu.


Elternbeiträge
Liebe Mainzer Eltern,
Eltern in Köln wenden z.T. folgende Variante an: Da die Rechtslage bezüglich Kürzung derzeit unklar ist haben wir die Beiträge vorerst *komplett* storniert. Sobald wieder Klarheit herrscht zahlen wir die ausstehenden Beiträge selbstverständlich nach. Die Stadt Köln hat uns ein angeblich existierendes Rechtsgutachten zugesagt. Wenn alle Eltern einfach kürzen dürfte es aber für die Städte ein haarsträubender Aufwand sein, gegen jedes einzelne Elternpaar vorzugehen. Neuigkeiten dazu bald unter: http://www.elternstreik.de/Elternbeitraege.html
Liebe Grüße und Euch allen noch gute Nerven, Kölner Papa