Von Alexandra Wanninger
Mainzerin berichtet von ihren Erlebnissen als Missionarin auf Zeit in Tansania/"Diese Wärme dort ist unbeschreiblich"/Derzeit schon wieder in ihrer zweiten Heimat
"Weiße können alles!" Mit dieser Erwartung wurde die Mainzerin Beatrice Straub während ihres einjährigen Aufenthalts in Tansania oft konfrontiert. Die gelernte Bürokauffrau arbeitete als Missionarin auf Zeit (MAZ) bei den Schwestern vom kostbaren Blut in Ostafrika. Als Lehrerin für Englisch und Mathematik unterrichtete sie in einer weiterführenden Schule für Mädchen, die auch in dem Kloster wohnten. "Das war etwas schwierig, weil ich ihre Lehrerin und zugleich Mitbewohnerin war", sagt Straub rückblickend.
Außerdem sei sie lockerer mit den 15- bis 22-jährigen Schülerinnen umgegangen als ihre Kolleginnen. "Der Unterricht in Afrika ist überhaupt nicht zu vergleichen mit dem deutschen", zieht die junge Frau Bilanz. Die Afrikaner lernten von klein auf, abzuschreiben und auswendig zu lernen. Eigene Ideen oder Kreativität einzubringen, sei nicht oder nur sehr wenig gefordert. "Deshalb waren alle sehr überrascht, als ich angefangen habe, den Mädchen mit spielerischen Elementen Englisch beizubringen", erklärt die Mainzerin. So habe sie einen Geburtstagskalender in Form eines Stammbaumes gebastelt.
"Der Respekt der afrikanischen Kinder vor Erwachsenen ist riesig", fügt sie anerkennend hinzu. Was deutschen Kindern heute zunehmend fehle, hätten die afrikanischen ein wenig zu viel.
Warmherzig erzählt Beatrice Straub von ihren zahlreichen Erlebnissen in Tansania. Die Mentalitätsunterschiede seien groß. "Materielles wird von Afrikanern nicht so wert geschätzt", erzählt sie, dass Hausaufgabenhefte, die sie eingeführt hat, abhanden kamen, obwohl alle wüssten, dass es schwer sei, solche Materialien zu finanzieren.
"Englisch zu vermitteln, war schwer, aber Mathe war die Katastrophe", berichtet Straub lächelnd. Die Mädchen hätten das Spiel Rechenkönig überhaupt nicht verstanden, weil sie keinen Siegeswillen hatten. Die Motivation und der Ansporn waren demnach gleich null. Straub erzählt begeistert von dem positiven Lebensgefühl und der großen Freude, die die Ostafrikaner ausstrahlten. Auf die Frage, was ihr das Jahr als MAZlerin gebracht habe, antwortet sie schnell und sicher: "Afrika lässt mich nicht mehr los, diese Wärme dort ist unbeschreiblich. Ich fühle mich aufgehobener und nützlich."
Besonders habe ihr die Einstellung imponiert, dass man nicht ständig nach mehr strebe. Das Meckern über Kleinigkeiten, das in Deutschland an der Tagesordnung sei, würden die Afrikaner gar nicht kennen.
Ihr Heimweh nach Afrika stillt sie gerade mit einem zweimonatigen Aufenthalt in ihrer zweiten Heimat. Dort ist sie als Freiwillige auf eigene Faust tätig und hilft einer afrikanischen Freundin bei einem Projekt für Frauen.
Wer sich für ein Projekt als Missionar auf Zeit oder Freiwilligendienst interessiert, kann sich bei Beatrice Straub per E-Mail informieren unter beatrice.straub@gmx.de.

