Umfrage unter städtischen Mitarbeitern zum Mainzer Rathaus: Mehrheit für Sanierung
24.11.2012 - MAINZ
Von Jens Grützner
Freitagmorgen, 7.50 Uhr. Die Domspitze steckt im Nebel, die Temperaturanzeige am Brand zeigt 5 Grad. Im Mainzer Rathaus brennt in einem Viertel der von vorne sichtbaren Büros Licht. Die AZ fängt städtische Mitarbeiter vor deren Gang zur Arbeit im „Fuchsbau“ ab. Die Hauptbetroffenen sollen anonym sagen, ob sie eine Sanierung für mindestens 50 Millionen Euro befürworten oder einen Abriss und Neubau des heruntergekommenen Gemäuers. Für letzteres Projekt an anderer Stelle warf die Mainzer Aufbaugesellschaft Zahlen von bis zu 79 Millionen Euro in die Runde.
„Abriss“, sagt ein junger Mann, der kurz vor 8 Uhr die Glastür des Rathauses öffnet. „Ein Neubau wird letztlich doch günstiger und schöner.“ Die nachfolgende Frau ist in Eile. „Ich habe eine Sitzung“, sagt sie. Aber dann überlegt sie doch kurz. „Sanierung“, betont sie knapp. Dann kommt die nächste Mitarbeiterin. „Bevor ich mir eine Meinung bilden kann, müssen erst einmal die Fakten auf den Tisch. Ich warte noch auf Zahlen für einen Abriss und Neubau an dieser Stelle“, sagt sie. Diese mahnte jetzt auch der Bund der Steuerzahler an. Der gleichen Meinung ist der nächste Mann. „Man muss Zahlen vergleichen können. Klar ist auch, dass beim Denkmalschutz für diesen Bau Grenzen existieren müssen.“ Letztlich ringt er sich aber zu der Meinung durch: sanieren.
Jockel Fuchs und Erbsensuppe
Die nächste Frau erinnert sich noch an die Einweihung, an Erbsensuppe zur Einweihung mit Ex-OB Jakob „Jockel“ Fuchs Silvester 1973, an viele glückliche Gesichter. „Und es befinden sich viele Werte hier drin“, sagt sie. „Aber ein Privatmensch würde das Rathaus abreißen.“ Ein Neubau an gleicher Stelle, mit noch mehr Büroräumen, um auch die Mitarbeiter aus der Zitadelle und dem Stadthaus aufs Plateau zu bekommen, „hätte mehr Sinn“, sagt sie. Als nächstes wieder eine Frau: „Ich arbeite noch nicht so lange hier und komme nicht aus Mainz“, sagt sie. „Auswärtige sollten sich bei dem Thema wohl zurückhalten.“
8.23 Uhr: „Dies ist ein national bekanntes Haus, das auf jeden Fall erhaltenswert ist“, sagt ein junger Mann vor Dienstbeginn. „Ich bin für eine Sanierung, wenn sich die Arbeitsbedingungen dadurch verbessern.“ Die Forderungen: Einbau von Fenstern, die sich öffnen lassen und mehr Tageslicht in den Büros.
Die folgende Frau arbeitet seit etwas über einem Jahr ständig im Rathaus. Die stickige Luft beschert ihr Hautprobleme. Aber sie plädiert trotzdem für eine Sanierung. „Ich habe jüngst einen Anruf aus Berlin bekommen. In diesem hieß es: Ihr wollt in Mainz ja wohl keinen Arne-Jacobsen-Bau abreißen.“ Um 8.38 Uhr taucht Oberbürgermeister Michael Ebling auf – ein bekennender Sanierungsanhänger.
„Wo ist die Kamera?“
„Es wird wohl nicht bei den angegebenen 50 Millionen Euro für die Sanierung bleiben“, sagt ein folgender Mitarbeiter. „Trotzdem bin ich pro Sanierung“, sagt er. „Ich bin auch für eine Sanierung, wenn diese ein absolutes Entkernen bedeutet“, sagt eine Frau. „Alles andere wäre rausgeschmissenes Geld. Denn hier gibt es so viel Unzweckmäßiges.“ Drei weitere „Sanierungsanhänger“ kommen zur Arbeit und eine Frau, die betont: „Ich sag nix.“ Die nächste städtische Mitarbeiterin guckt sich erst mal um. „Wo ist die Kamera?“, fragt sie. Dann haucht sie: „Abriss.“
Um 9 Uhr kommt Michael Ebling wieder aus dem Rathaus raus. „Und, wie ist die Quote?“, fragt er. Auf die Antwort "pro Sanierung" folgt ein Lachen…


