Professioneller Umgang mit dem Tod
26.09.2012 - MAINZ
Von Eva Scherer
BESTATTER Detlef Rech ist Dienstleister in einer menschlich schwierigen Situation / Mitfühlend, aber nicht dünnhäutig
Tod und Sterben, wahrlich kein schönes Thema. Vor allem aber eines, mit dem sich niemand gerne auseinandersetzt. Dennoch muss es Menschen geben, die täglich professionell mit Tod, Trauer und Abschied umgehen - die Bestatter. Wer mit Toten und Hinterbliebenen arbeitet, muss mitfühlen können, darf aber gleichzeitig nicht allzu dünnhäutig sein - ein schwieriger Spagat und zweifellos ein anspruchsvoller Beruf. Für die Serie „Ein harter Job“ besuchte die AZ das Mainzer Bestattungsunternehmen Rech.
Bereits in der sechsten Generation führe er nun das Bestattungsinstitut, erzählt Detlef Rech nicht ohne Stolz in der Stimme. „Über 200 Jahre Familientradition“, so der schmale Mann mit dem eigenwilligen Bart und der randlosen Brille. Von einer Schreinerei, die auch Särge herstellte und Tote hineinlegte im 19. Jahrhundert, hin zu einem universellen Dienstleistungsunternehmen der Gegenwart. „Wir bieten Bestattungsvorsorgeregelungen an, wir beraten Hinterbliebene, gestalten die Trauerfeier, nehmen ihnen Behördengänge ab und bieten auch Monate nach der Beisetzung noch psychologische Hilfe durch eine Trauerbegleiterin“, sagt der Geschäftsmann.
Trauerdrucksachen, Administration und die Bedeutung der Vorsorge - all das gehört dazu, wenn in unserer Gesellschaft ein Mensch stirbt. Einen gewöhnlichen Arbeitstag verbringe Detlef Rech zumeist hinter dem Schreibtisch mit der Erledigung der Buchhaltung und Beratungsgesprächen. Im technischen Bereich des Unternehmens, der sich unter anderem um die Abholung, Versorgung und Überführung der Verstorbenen kümmert, arbeite er heute kaum noch.
Die Beratung von Hinterbliebenen sei ein sehr intensives Arbeitsfeld, zwischen zwei bis drei Stunden dauere das Erstgespräch. Zahlreiche Entscheidungen müssen getroffen werden, etwa über die Bestattungsart oder den passenden Sarg, sagt der 65-Jährige und geht voraus in den Ausstellungsraum.
Bilder von Friedhofsskulpturen hängen an den weiß getünchten Wänden, im Hintergrund spielt leise Kirchenmusik. Drei in eine Innenwand eingelassene Spitzbögen aus buntem Glas erinnern an Kirchenfenster, daneben ein aufgemaltes Kreuz und die Worte „Tröstet einander - sie werden auferstehen“. Eine dunkle Regalwand voller Schmuckurnen und über 20 verschiedene Särge stehen dicht an dicht. Sehr einfache, aber auch recht ausgefallene Modelle.
Keine Scheu vor Särgen
Innsbruck Swarovski heißt der teuerste Sarg, über dessen schwarzen Klavierlack ein Fluss aus Swarovski-Kristallen verläuft. „Die meisten Menschen haben eine gewisse Scheu vor einem Sarg. Ich habe darin als Kind Verstecken gespielt“, sagt Detlef Rech.
Durch das Familienunternehmen habe er von Beginn an einen anderen Zugang zu dem Beruf gehabt. Seinen ersten Toten habe er im Alter zwischen zehn und 12 Jahren gesehen, mit 16 sei er dann in die Firma eingestiegen, erzählt er. Es sei nicht immer einfach gewesen. „In der Tanzschule gab es einige Mädels, die haben gesagt, igitt der ist Bestatter, mit dem tanze ich nicht“, erinnert er sich, während er die Tür zu einem kleinen Nebenraum öffnet, dem Abschiedsraum. Auch hier gibt es die bunten Spitzbogenfenster, dieselbe leise Kirchenmusik ist zu hören. An einer Wand stehen zwei Ledersessel, ein kleiner Tisch. In einem offenen Sarg liegt eine alte Frau mit weißem Haar, die Hände gefaltet. Es wirkt friedlich. „Rund 20 Prozent der Hinterbliebenen wollen noch einmal Abschied nehmen“, erzählt Detlef Rech nüchtern.
Ob ihn Tod und Sterben nicht mehr berühren? Doch natürlich, aber er zeige seine Emotionen nicht so offen. „Wir müssen einen Weg finden, mit dem Tod umzugehen. Ein Bestatter, der mit den Angehörigen mitweint, kann nicht mehr helfen.“


