Lieberberg mag Mainzer Mehrwert
27.06.2012 - MAINZ
ROCK AM RING Enge Verzahnung von Festivalgelände, Camping- und Parkplätzen in Finthen zieht Veranstalter an
In der Vorwoche sorgte eine Ankündigung Marek Lieberbergs für Aufsehen. Der Konzertveranstalter betonte, dass Rock am Ring - ein Event über drei Tage mit 85 000 Zuschauern, das bislang auf dem Nürburgring gastierte - auch eine Zukunft in Mainz haben könnte. Im AZ-Interview wird der 66-Jährige nun konkreter.
Herr Lieberberg, Ihre Agentur hat eine Anfrage an die Mainzplus Citymarketing GmbH gestellt. Die Möglichkeiten für Rock am Ring auf dem Finther Flugplatz sollen geprüft werden. Haben Sie schon eine Antwort erhalten?
Nein, aber ich habe auch noch nicht mit einer gerechnet. Wir haben ein sehr gutes Verhältnis zum Citymarketing - wir hatten zuletzt ja Green Day 2010 zu einem großen Konzert in Hechtsheim. Man kennt sich. Und ich habe gestern ein Telefonat mit Oberbürgermeister Michael Ebling geführt. Es war ein erstes Kennenlernen, ein lockerer Gedankenaustausch. Ich habe einen proaktiven OB erlebt, der sehr klar in seinen Äußerungen war. Wir führen einen ganz entspannten Dialog. Zunächst müssen die politischen Entscheidungsträger klären, was in Mainz möglich ist. Im Juli werden wir dann wieder zusammenkommen.
Die rheinland-pfälzische Landesregierung möchte Sie am Nürburgring halten, befindet sich als Eigentümer der Rennstrecke aber mit den gekündigten Pächtern im Clinch, weshalb eine Hängepartie entstanden ist. Bis wann brauchen Sie eine Entscheidung aus der Eifel, Mainz - oder von anderen möglichen Standorten?
Ende Juli ist der letztmögliche Termin. Es gibt keinen Konkurrenzkampf. Aber wir müssen uns natürlich um Alternativen kümmern. Wir prüfen auch den Hockenheimring und einen rheinland-pfälzischen Flugplatz, der sich selbst ins Spiel gebracht hat. Es ist gut möglich, dass wir bei der Suche einen Standort finden, der bessere Optionen bietet als der Nürburgring. Denn für ein Festivalgelände ist der Nürburgring nicht ideal.
Alles bewegt sich dort in einem recht schmalen Schlauch. Es wäre besser, würde sich der Platz einem Fächer ähnlich verbreitern. Auch brächte eine einheitliche Park- und Camping-Situation ein Vielfaches an Mehrwert. Der Mainzer Flugplatz bietet grundsätzlich diese Möglichkeit.
Apropos Flugplatz. Der Betreiber des Finther Airfields, der Mainzer Luftfahrtverein, hat in Person des Vorsitzenden Hans Griebling im AZ-Gespräch betont, dass er sich eine Schließung des Platzes für ein Festival nicht vorstellen könne und negativ verbucht, dass Ihre Agentur sich nicht zuerst an ihn gewandt habe. Naturschützer meldeten Bedenken an, was Menschenmassen im Schutzgebiet betrifft. Ihre Reaktion?
Es gibt keinen Konzertveranstalter mit größerer Kompetenz als uns. Die Sicherheitsstandards auf unseren Festivals sind exzellent. Wir sind keine Hooligans und wir hinterlassen auch keine Probleme. In 27 Jahren Rock am Ring gab es keine Beanstandungen. Und weil wir keinerlei Druck ausüben, fand ich die Reaktion des Luftfahrtvereins höchst fragwürdig. Ich verstehe nicht, wieso eine solche Schärfe reingebracht worden ist. Die Leute sollten erst einmal in Ruhe abwarten, bevor sie aus allen Rohren schießen. Die Mainzer Administration prüft jetzt erst einmal alles Nötige. Erhielte Mainz den Zuschlag, würde anschließend natürlich alles generalstabsmäßig geplant.
Wie beziffern Sie die Chancen für einen Umzug von Rock am Ring nach Mainz, käme grünes Licht aus dem städtischen Rathaus?
Mainz ist eine gute Option. Ziehen alle an einem Strang und gibt das Rathaus grünes Licht, stehen die Chancen 50:50. Mainz hat Erfahrung mit Großveranstaltungen - etwa mit der Fastnacht, aber auch was vorangegangene Konzerte betrifft. Mainz liegt außerdem nahe Frankfurt, unserer Zentrale. Natürlich hätten wir ein weinendes Auge, was einen Wegzug vom Nürburgring nach 27 Jahren beträfe, aber die Chance, die Qualität des Festivals auch durch eine größere Landschaftsbreite zu verbessern, würde auch für ein lachendes Auge sorgen.
Haben Sie mit Ihrer Anfrage vielleicht auch andere Konzertveranstaltungen im Sinn?
Nein. Uns geht es um Rock am Ring.
Das Gespräch führte Jens Grützner


