Wenn das Herz zum Problem wird
05.05.2012 - MAINZ
Von Julia Sloboda
NACHTVORLESUNG Dritte Veranstaltung dreht sich um kardiale Ursachen eines Schlaganfalls
„Das Herz kann auch böse“, hatte Prof. Dr. Christian-Friedrich Vahl, Direktor der Klinik für Herz-, Thorax- und Gefäßchirurgie, den Besuchern der dritten Nachtvorlesung angekündigt. Wie böse es tatsächlich kann, erklärten dann Vahls Kollegen. Dabei wurde vor allem das Vorhofflimmern als kardiale Ursache eines Schlaganfalls betrachtet.
Symptome sind Übelkeit, Atemnot und Herzrasen
„Das Vorhofflimmern ist die häufigste Ursache für ambulante Arztbesuche und Klinikaufenthalte“, erklärte Dr. Constanze Bening, Assistenzärztin der Klinik für Herz-, Thorax- und Gefäßchirurgie. Es äußere sich in Symptomen wie plötzlich auftretendem Herzrasen, Schwitzen, Übelkeit oder Atemnot. „Ursache kann eine Verengung der Herzkranzgefäße, aber beispielsweise auch eine Infektion sein“, so Bening. Durch eine Therapie versuche man Folgeerkrankungen, wie den Schlaganfall zu vermeiden. „Die Fließgeschwindigkeit im Herz verändert sich und das Blut kann klumpen. Dadurch können sich Gerinnsel bilden, die ins Gehirn wandern“, erklärte Bening. Bei 20 Prozent der Schlaganfälle sei Vorhofflimmern die Ursache gewesen. Welche medikamentösen Maßnahmen man bei Vorhofflimmern ergreifen kann, erläuterte Dr. Torsten Konrad, Assistenzarzt in der zweiten Medizinischen Klinik und Poliklinik. Er stellte auch Alternativen zum blutverdünnenden Medikament Marcumar vor. „Dabigatran und Rivaroxaban greifen direkt an der Gerinnungsentstehung und sind einfach zu dosieren“, sagte er. Mit Tabletten das Vorhofflimmern zu unterdrücken sei ein wünschenswertes Ziel, ein ideales Medikament sei dafür aber noch nicht verfügbar.
Prof. Dr. Thomas Rostock, der Leiter der Abteilung Elektrophysiologie an der zweiten Medizinischen Klinik und Poliklinik erklärte die Arbeit im Herzkatheterlabor, wo beispielsweise bei anfallartig auftretendem Vorhofflimmern Lungenvenen elektrisch isoliert werden. „Das anfallsartige Vorhofflimmern entsteht in aktiv werdenden Herden in den Lungenvenen“, so Rostock. „Es ist nicht lebensbedrohlich, aber den Leuten geht es einfach schlecht.“ „Wir brauchen innovative und wenig traumatische Behandlungskonzepte“, blickte Dr. Ahmad Abugameh, Geschäftsführender Oberarzt der Klinik für Herz-, Thorax- und Gefäßchirurgie, in eine Zukunft „in der sich die Anzahl der Menschen mit Vorhofflimmern verdoppeln wird.“


