Mainz: Ausstellung im Gutenberg-Museum wird nach großem Zuspruch bis August verlängert
24.04.2012 - MAINZ
Von Sandra Mikutta
Alles ist in Bewegung. Was ursprünglich als Finissage der Medienausstellung „Moving Types – Lettern in Bewegung“ im Gutenberg-Museum geplant war, wurde am vergangenen Sonntag stattdessen als Grand Matinée begangen. Und das aus gutem Grund, wie Dr. Annette Ludwig, Direktorin des Gutenberg-Museums, und Prof. Dr. Gerhard Muth, Präsident der Fachhochschule Mainz, zu verstehen gaben: Der Zuspruch, den die Ausstellung gefunden habe, sei so außerordentlich gut, dass sie noch bis 12. August in Mainz zu sehen sein werde.
Einladung zur Reise vom Mittelalter in die Neuzeit
Bewegte Lettern begeistern – und das nicht erst seit Ausstellungsbeginn im Mainzer Wissenschaftsjahr 2011. Für einen Vortag im Rahmen der Matinée war Dr. Piotr Rypson, stellvertretender Direktor des Nationalmuseums in Warschau, angereist und er vermittelte seinem Publikum, dass es Visionen dynamischer Texte gibt, die zeitlich weit vor dem in der Mainzer Ausstellung Gezeigten liegen. Er lud ein auf eine Reise vom Mittelalter bis zur frühen Neuzeit und schlug einen Bogen zwischen den tanzenden Lettern aus Dantes „Göttlicher Komödie“, den logischen Maschinen Ramon Llulls, Anagrammen und Proteus-Gedichten und den Gedichtmaschinen des 17. Jahrhunderts.
Immer wurden, so Rypson, Lettern umgestellt, wurde Text bewegt – ob geistig oder als Spiegel technischer Entwicklung mechanisch. Jene Bewegung entstand in der vom metaphysischen Denken des Juden- und Christentums gespeisten Hoffnung, dass eine göttliche Botschaft dekodierbar, dass das Wesen der Dinge entschlüsselbar sei. Oder aber sie entstand als Ausdruck des Wunsches des neuzeitlichen Menschen mit Buchstaben und Worten selbst zum Schöpfer werden zu können.
Dass Lettern in Bewegung auch gut 700 Jahre nach Dante Gegenstand schöpferischer Arbeit sind, förderte der zweite Teil der Veranstaltung zutage. Da der angekündigte Vortrag des Kunsttheoretikers Prof. Bazon Brock krankheitsbedingt ausfallen musste, zeigte Kuratorin Prof. Anja Stöffler kurzerhand eine Auswahl von Kurzfilmen und Videoclips, filmische Inszenierungen von Lettern in Bewegung, die zurzeit auch in der Ausstellung zu sehen sind: So ließ unter anderem Bob Dylan im ersten Videoclip der Musikgeschichte zu „Subterranean Homesick Blues“ Wortplakate fallen, bewegten sich im Vorspann zu „Liebesgrüße aus Moskau“ Lettern über Bond-Girl-Haut oder aber es fanden sich in Kurzfilmen unter anderem die Städte New York und L.A. mit Lettern und Logos inszeniert.


