Erste Symptome - sofort Notruf
21.04.2012 - MAINZ
Von Julia Sloboda
NACHTVORLESUNG Gefäßmediziner referieren bei Auftakt von Veranstaltungsreihe rund ums Thema Schlaganfall
„So voll war es noch nie“ - immer wieder ist dieser Satz zu hören, noch bevor die erste Nachtvorlesung der neuen Staffel überhaupt begonnen hat. Das Thema Schlaganfall interessiert, dafür werden auch Stehplätze in Kauf genommen. In der ersten Vorlesung der Veranstaltungsreihe der Klinik für Herz-, Thorax- und Gefäß-Chirurgie und der Allgemeinen Zeitung geht es um die gefäßmedizinische Sicht.
Weil der Schlaganfall immer noch die dritthäufigste Todesursache in Deutschland ist, erklärte Professor Dr. Frank Thömke, Oberarzt in der Klinik für Neurologie, was zur Vorbeugung getan werden kann. „Nicht rauchen, Gewicht reduzieren und auf einen normalen Cholesterinwert achten. Ein Glas trockener Wein am Tag ist auch gut.“
Falls ein Betroffener oder Angehörige Symptome wie halbseitige Lähmungen, Seh- oder Wortfindungsstörungen ausmachen würden, müsse sofort die 112 gewählt werden. Thömke: „Durch einen akuten Gefäßverschluss wird die Blutversorgung im Gehirn unterbrochen. Dann muss es schnell gehen.“
In der Klinik geht es für den Patienten auf die Stroke Unit, die Dreh- und Angelpunkt bei der Schlaganfall-Behandlung. Die effektivste konservative Therapie sei die Thrombolyse, bei der der Gefäßverschluss aufgelöst wird.
Die Behandlung, die die Neuroradiologen präferieren, stellte Professorin Dr. Wibke Müller-Forell, die Kommissarische Direktorin des Instituts für Neuroradiologie, vor. Mithilfe eines Stents holen sie und ihre Kollegen den Thrombus aus dem Gefäß. Dabei wird ein kleines Körbchen in einem Katheter in das Gerinnsel gebracht. Dieses verheddert sich darin und kann anschließend herausgezogen werden. „Ein Schlaganfall ist ein Notfall“, betonte sie.
Dr. Marco Doemland, Oberarzt der Klinik für Herz-Thorax-Gefäßchirurgie, zählte die Vorteile einer lokalen Betäubung bei der klassischen Schlaganfall-OP auf. „Sie ist schonender, hat einen besseren postoperativen Verlauf und man weiß während der OP immer, ob noch ausreichend Sauerstoff beim Patienten ankommt.“ Dieser müsse auf Aufforderung nämlich ein Quietscheentchen drücken.
Wie man durch Rehabilitation die verlorenen Funktionen zurückgewinnen kann, erläuterte Dr. Ulrich Betz, der Leiter des Instituts für Physikalische Therapie, Prävention und Rehabilitation. „Die Reha muss frühzeitig begonnen werden, mit einer hohen Intensität erfolgen, langanhaltend und spezifisch auf den Patienten abgestimmt sein.“


