Gutenberg-Museum Mainz: Stadt begrüßt bürgerliches Engagement
19.04.2012 - MAINZ
Von Michael Jacobs
Mit seinem Vorstoß, durch eine breite Bürgerbewegung dem Gutenberg-Museum wieder auf die Beine zu helfen, hat Lars Reichow ein längst überfälliges Fass Druckerschwärze aufgemacht, aus dem die Lettern der Zustimmung nun nur so sprudeln. „Wir ziehen alle an einem Strang“, signalisiert Kultur- und Baudezernentin Marianne Grosse (SPD) ihre volle Unterstützung für die geplante Benefizaktion. Der Fokus werde dadurch wieder auf das Museum und die Gutenberg-Stadt gerichtet. Um das bürgerschaftliche Engagement besser zu überblicken und die Gelder effektiver zu kanalisieren, soll im Dezernat eine gesonderte Organisationsgruppe unter ihrer persönlichen Leitung eingerichtet werden, kündigt Grosse an. Dabei werde der Gutenberg-Förderverein eine zentrale Rolle spielen.
„Es ist unsere ureigene Aufgabe für den Zustand des von der Gebäudewirtschaft Mainz betriebenen Museums zu sorgen“, sagt Grosse, räumt aber auch ein, dass „für den großen Wurf“ das Geld fehle. Zwar liege schon lange ein Masterplan für eine etwaige Erweiterung des Museums vor, doch allein die Erstellung einer Detailplanung würde Kosten im Bereich eines hohen sechsstelligen Betrages verursachen. Die Dezernentin hält mittelfristig allerdings eine Überdachung des Innenhofes für machbar. „Damit könnten die verschiedenen Gebäudeteile des Museum von außen als eine Einheit wahrgenommen werden“.
Chronische Unterfinanzierung ist großes Problem
Auch Museumsdirektorin Dr. Annette Ludwig kann der von Reichow ins Rollen gebrachte Gutenberg-Initiative nur Positives abgewinnen. Die Tradition eines bürgerschaftlichen Engagements sei bei dem Museum, das schließlich von Mainzer Bürgern im Jahr 1900 begründet wurde, immer sehr ausgeprägt gewesen. Natürlich weiß auch Ludwig um die Modernisierungsbedürftigkeit des Hauses. „Wir haben in Mainz einen einmaligen Schatz, sind aber im Vergleich zu anderen Städten wegen fehlender Mittel nicht konkurrenzfähig“. Die chronische Unterfinanzierung diskreditiere dauerhaft das Haus und seine Mitarbeiter. Um überhaupt in kleinen Schritten voranzukommen, sei der Förderverein für das Museum lebensnotwendig.
Ungeteilte Zustimmung für eine bürgerschaftliche Hilfe zur Selbsthilfe gibt es vom neuen Oberbürgermeister. Das Gutenberg-Museum sei eine tolle Institution und habe jede Unterstützung verdient, sagt Michael Ebling (SPD). Die Stadt sollte als Partner in der Lage sein, alle Initiativen aus bürgerschaftlicher Eigenverantwortung zu fördern. Wie das Museum dauerhaft wieder flott gemacht werden könne, müsse man sich dann genauer ansehen.
Große Hoffnungen in Bürgerinitiative
Die Stadt brauche solche Eigeninitiative, weil der Haushalt so defizitär sei, sagt Bürgermeister und Finanzdezernent Günter Beck (Grüne). Museumsdirektorin Ludwig habe aber gezeigt, dass man auch mit wenigen Mitteln viel erreichen könne, etwa mit der zukunftsweisenden Moving Types-Ausstellung oder durch die Verlängerung der Öffnungszeiten an Sonntagen mittels Sponsorenanwerbung. Generell, so Beck, mache er sich für den Gedanken einer Gesamtbürgerstiftung stark, mit denen ganz unterschiedliche Projekte realisiert werden könnten ohne den Etat weiter zu belasten.


