Mainz: Thomas Neger - Leben zwischen Metallbedachungen und Mikrofonen
04.02.2012 - MAINZ
Von Bernd Funke
Mit einem Espresso hat er ganz bestimmt nicht angestoßen, als er am Freitagabend kurz vor seinem Auftritt auf einer Damensitzung in Oppenheim durch die AZ erfuhr, dass er beim Internetvoting „Unsere Besten aus ‚Mainz bleibt Mainz, wie es singt und lacht‘“ das vom SWR-Fernsehen in Medienpartnerschaft mit der Allgemeinen Zeitung durchgeführt wurde, auf Platz Eins landete. „Das ist der absolute Wahnsinn, ich kann‘s nicht glauben, dass ich mit dem ‚Dom‘ gewonnen habe.“ Man sieht Thomas Neger geradezu durchs Telefon strahlen.
Den richtigen Espresso mit der AZ hat der 40-Jährige logischerweise tatsächlich „Im Schatten des Doms“ getrunken. Hat geplaudert über Schulzeiten („Bis zur siebten Klasse im Schlossgymnasium, dann auf dem Humboldt, wo ich ein gutes Zweier-Abi gemacht habe.“), seinen Blockflötenunterricht als 13-Jähriger („Ich war aber mehr an den Mädchen, als an den Flöten interessiert“) und seinen berühmten Opa. Der „singende Dachdecker“ Ernst Neger, starb, als Enkel Thomas 18 war.
Drei Jahre später war es Elisabeth Klöver, die Leiterin des MCV-Balletts, die ihn mit der Idee konfrontierte, ein Medley von Titeln des Opas zu singen - zwei Jahrzehnte nach dem Bühnenabschied Ernst Negers. „Das schlug wie eine Bombe ein“, erinnert sich Thomas Neger gerne. Und dann „schrieb“ er zwei Titel. Das heißt, er dachte sich die Texte aus und sang die Melodie einem Musiker vor, der sie in Noten umsetzte. Das war damals Heini Stadler, Boss der MCV-Hofkapelle. Mit „Lieber Opa, kannst du mich sehn?“ landete Thomas Neger seinen ersten Hit. „Das Lied vom Prinzengardeoffizier war der absolute Reinfall“, bekennt Neger heute. Jahre später der Hit schlechthin. Peter Müller, Musiklehrer und Generalfeldmarschall der Kleppergarde, hatte die singenden Schwestern Sandra und Julia Mathes vermittelt, deren Vater Rainer „Im Schatten des Doms“ textete und komponierte. Heute singt Thomas Neger den Erfolgsschlager, der sogar durch die Coface Arena tönt, mit seiner Band „Die Humbas“.
"Das Geilste ist der Schillerplatz"
„Wir suchen uns aus, wo‘s Spaß macht“, gewährt Thomas Neger Einblick in seinen Terminkalender, der ihn in der Kampagne rund 40 Mal auf der Bühne sieht. „Aber das Geilste ist der Schillerplatz“, schwärmt er schon jetzt von der unübersehbaren Menschenmenge, die ihn am Fastnachtssonntag am Fastnachtsbrunnen erwartet.
Aber Fastnacht ist ja beiweitem nicht die ganze Welt des Thomas Neger. Da ist Ehefrau Stefanie (die betreibt in der Unteren Zahlbacher Straße ein Modegeschäft für Schwangere), da sind aber auch die Kinder Lilli (11), Luca (8) und Toni (3). „Ich bin oftmals nur ein Wochenend-Papa“, bedauert Thomas Neger. „Aber wenn ich Zeit habe, dann werde ich selbst zum Kind und kann stundenlang mit den Dreien Lego spielen“, beeilt er sich gleich anzufügen.
Und dabei ist Thomas Neger, der sich das Jahr über gerne auch für Benefiz-Veranstaltungen vereinnahmen lässt, auch beruflich gefragt. Der ehemalige Landesbeste und Bundessieger im Spenglerhandwerk hat längst seinen Meisterbrief und sich mit seiner 1997 gegründeten Firma auf Metallbedachungen und Fassaden spezialisiert. „Da gibt es immer wieder neue Herausforderungen“, sagt der Chef von 40 Mitarbeitern, der durchaus zugibt, vom Namen „Neger“, der nicht nur in Fastnachterkreisen einen guten Klang hat, zu profitieren.
Engagiert im Behndertenbeirat
Der Name mag auch dafür gesorgt haben, dass ihn Wählergunst vom Platz 39 auf Platz 11 der Liste der Christdemokraten zur letzten Kommunalwahl und damit in den Stadtrat hievte. Dort engagiert er sich vor allem im Behindertenbeirat. Ein Thema, mit dem er sich als Vater des behinderten Luca auskennt.
Und während er erzählt, dass Tochter Lilli als Fastnachtsbegeisterte in der Füsiliergarde ist und sich der kleine Toni als Ritter oder Wickinger verkleiden will, richtet sich sein Blick zum wolkenlosen Himmel: „Das richtige Wetter zum Cabriofahren...“ Sein neuestes, eine 1959er Corvette, hat er gerade zurechtgebastelt und lässt es blau spritzen.


