Mausklicks statt Bleistift und Radiergummi
10.01.2012 - MAINZ
Von Kirsten Strasser
LERNPLATTFORM Frauenlob-Gymnasium setzt verstärkt Computer ein / Auf dem Weg zur papierlosen Schule
Das Frauenlob-Gymnasium hat auf seinem Weg zur „papierlosen Schule“ rasante Fortschritte gemacht - und so nebenbei bekommen die Schüler viele Kompetenzen im Umgang mit den „Neuen Medien“ vermittelt. Seit etwa zwei Jahren setzt das Gymnasium die Internet-Lernplattform „Itslearning“ ein. „Ursprünglich“, sagt Schulleiter Joachim Bliemeister, „sollte sie dem Unterricht dienen. Doch schnell haben wir gemerkt: Sie ist sehr viel universeller einsetzbar.“
Von den vielfältigen Möglichkeiten macht das „Frauenlob“ regen Gebrauch - so regen, dass das Unternehmen „Itslearning“, das in Norwegen sitzt, auf das Mainzer Gymnasium aufmerksam wurde und die Rückmeldung gab, dass kaum eine Schule die Lernplattform so intensiv nutze. Darauf ist Bliemeister schon ein bisschen stolz, und er ist sicher, dass die Möglichkeiten von „Itslearning“ noch längst nicht erschöpft sind.
Bislang wird „Itslearning“ zum Beispiel als Kommunikationsplattform genutzt. Bliemeister stellt etwa Informationen ein, die das Kollegium abrufen soll. Die Schüler - alle haben einen Zugang - wählen ihr Mittagessen über „Itslearning“. Und im Unterricht können die Lehrer Lernmaterialien bereitstellen, die die Schüler dann abrufen können - das Kopieren und Verteilen von Arbeitsblättern wird überflüssig. Und kranke Schüler haben über Internet von zu Hause aus Zugriff auf die Materialien und können mitlernen.
Mittlerweile seien so gut wie alle Lehrer von „Itslearning“ angetan, freut sich Bliemeister. Die Schüler sind es sowieso - Unterricht am Computer finden sie „cool“, wie der Sechstklässler Justin sagt. Die sechsten Klassen lernen im Methodentraining das Anwenden von „Itslearning“.
Ein weiterer Vorteil: Den Schülern können je nach ihrem Lernniveau schwerere oder leichtere Aufgaben gestellt werden. „Wir können sehr viel mehr differenzieren“, sagt Bliemeister. Und freilich wird nicht nur gepaukt: Die Kinder dürfen auch chatten. Auf der Plattform können sie das gefahrlos tun. „Sie ist ja ein geschützter Raum, zu dem von außen kein Zutritt möglich ist.“ So können die Schüler soziale Kompetenzen im Netz erwerben. Bei Mobbingfällen etwa könne sofort pädagogisch eingegriffen werden, betont Bliemeister.
„Itslearning“, das 1999 gegründet wurde, hat nach eigenen Angaben weltweit rund zwei Millionen aktive Nutzer und kommt auch in Universitäten zum Einsatz. Die Plattform sei zwar nicht kostenlos, so Bliemeister, dafür aber sehr sicher und werbefrei. Zudem sieht er noch viele Möglichkeiten. So sollen irgendwann über „Itslearning“ Arbeiten geschrieben werden, und bereits 2012 sollen auch die Eltern Zugang erhalten. Die „Elternbriefe“, die laut Bliemeister die Tendenz haben, in den Tiefen von Schulranzen zu verschwinden, werden dann überflüssig. Ein weiterer Schritt zur „papierlosen Schule“.

