Stellenabbau in der Stadtbibliothek - Standort an Mainzer Rheinallee bleibt erhalten
12.11.2011 - MAINZ
Von Michael Erfurth
Mit einem massiven Personalabbau wird die Wissenschaftliche Stadtbibliothek schon bald leben müssen: Das Sparpaket der Ampelkoalition, das am 14. Dezember im Stadtrat zur Abstimmung steht, sieht vor, dass von den 33 Stellen in der Einrichtung 20 entfallen. Die Bibliothek und das Stadtarchiv werden aber mittelfristig im Jugendstil-Gebäude an der Rheinallee 3 A bleiben, versicherte Kultur- und Baudezernentin Marianne Grosse (SPD) im AZ-Gespräch.
Dieser Stellenabbau gilt als wichtiger Pfeiler bei den Einsparungen im Bereich Kultur im Konzept von SPD, Grünen und FDP. Auch der Druck der Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion (ADD) wächst, die freiwilligen Leistungen der Stadt zurückzufahren. 40 Mitarbeiter nehmen derzeit die 33 Stellen ein, betriebsbedingte Kündigungen werde es nicht geben, betonte Grosse.
Keine betriebsbedingten Kündigungen
Vielmehr werden frei werdende Stellen nicht wiederbesetzt und Zeitverträge in der Regel nicht verlängert. Grosse rechnet mit einer Zeitspanne von zehn Jahren, bis dieser Stellenabbau komplett vollzogen ist. Die Einsparungen für die Stadt werden demnach von 170.000 Euro im nächsten Jahr über 515.000 Euro in 2015 bis auf knapp eine Million Euro in 2020 und 1,13 Millionen Euro in 2024 kontinuierlich wachsen. Damit summiert sich der Spareffekt in der Laufzeit des Entschuldungsfonds von 15 Jahren auf 11,5 Millionen Euro, rechnete Grosse vor. Hinzu kommt eine Reduzierung des Budgets für Anschaffungen von 140.000 Euro auf 70.000 Euro.
„Damit sind erhebliche Einschränkungen bei den Dienstleistungen der Stadtbibliothek verbunden“, betonte Grosse. Inwieweit Öffnungszeiten oder Angebote wie die Fernausleihe betroffen sind, werde jetzt geprüft. „Natürlich tut mir das Ganze im Herzen weh. Aber wir kommen an Einsparungen, die auch die Bürger spüren, nicht mehr vorbei.“
Immerhin seien erste Ideen, die eine Verlagerung der Stadtbibliothek und des -archivs an andere Standorte vorgesehen hatten, wieder verworfen worden. „In den nächsten sechs bis zehn Jahren bleibt die Bibliothek mit ihren 650 000 Bänden im historischen Gebäude, das wir entsprechend ertüchtigen werden“, sagte Grosse. Ob dies auch eine langfristige Lösung ist oder ob doch noch ein Umzug infrage kommt, werde in den nächsten Jahren geprüft.
Grosse: Stadtteilbibliotheken und öffentliche Bücherei nicht antasten
„Für mich war von zentraler Bedeutung, dass die Stadtteilbibliotheken und die Öffentliche Bücherei Anna Seghers im Bonifaziuscenter nicht angetastet werden“, sagte Grosse. Denn diese Einrichtungen arbeiten mit den Schulen und Gemeinden vor Ort eng zusammen. „Und sie werden auch von Kindern genutzt, deren Eltern keinen großen Bezug zu Büchern haben.“ Dass in Mainz auch weiterhin wissenschaftlich mit Büchern gearbeitet werde, sei durch die Universität und das Gutenberg-Museum sichergestellt.
Auch das Staatstheater und das Peter-Cornelius-Konservatorium (PCK) sind Bestandteile des Sparpakets. Die Reduzierung des städtischen Zuschusses fürs Theater um 350.000 Euro ist mit der Intendanz und dem Land bereits im Sommer vereinbart worden. Auch das bereits bekannte Sparkonzept des PCK, das mit Gebührenerhöhungen für Schüler, die nicht aus Mainz kommen, verbunden ist, greift, betonte Grosse. „Ich stehe dazu, dass Kinder aus dem Landkreis oder aus Hessen im PCK mehr zahlen müssen. Denn wir bekommen ja auch keine Zuschüsse des Landkreises.“ Beim PCK steigen die Einsparungen Jahr für Jahr kontinuierlich auf 365.000 Euro ab 2019.

