Demokratie und „Lügen der Politiker“
10.11.2011 - MAINZ
SCHULBESUCHSTAG Landtagsabgeordnete und Ministerin zu Besuch in drei Schulen
(til/MH/jfi). Im Rahmen des „Schulbesuchstages der Abgeordneten zum 9. November“ besuchten Mitglieder der Landesregierung Schulen der Region.
Gleich eine ganze Reihe von Anliegen hatten die rund 70 Schüler der Elisabeth-von-Thüringen-Schule in ihrem Gespräch mit dem Landtagsabgeordneten Wolfgang Reichel (CDU) vorzubringen. Neben einem Gesprächsblock zur Bedeutung des 9. Novembers für die deutsche Geschichte, ging es auch um die Zukunft der Erzieherinnen-Ausbildung. Reichel ist studierter Sozialarbeiter und weiß: „Insbesondere die frühkindliche Erziehung ist grundlegend für den späteren Lebensweg eines Kindes. Hier leisten Erzieher eine ganz wichtige Arbeit, die aber leider nicht leistungsgerecht bezahlt wird.“ Der Beruf habe gesellschaftlich noch immer einen zu niedrigen Stellenwert, auch wenn die Situation sich verbessert habe.
Kritik äußerten die Schüler an ihren Ausbildungsbedingungen. Sie seien fast alle auf Nebenjobs angewiesen, um ihre unvergütete Ausbildung zu finanzieren. Neben der 34-Stunden-Woche in der Schule kämen so meist noch 70 Stunden Nebentätigkeiten dazu, BAföG erhielten nur wenige. Reichel versprach, eine Anfrage zur Erzieherausbildung an die Landesregierung zu stellen. „Ich bin schockiert über Ihre Erzählungen und hoffe, dass diese Problematik in die Öffentlichkeit gelangt.“
Doris Ahnen spricht mit BBS III-Schülerinnen
Das Gespräch mit 18 angehenden Arzthelferinnen suchte Bildungsministerin Doris Ahnen. Dazu machte die Sozialdemokratin an der Berufsbildenden Schule III (BBS) Station.
Mit den Schülerinnen der Klasse „Medizinische Fachangestellte 09b“ sollte sich der Austausch eigentlich zwischen dem Tag als „Schreckenstag“ in der Diktatur, dem 9. November 1938, und dem „Hoffnungstag“ für die Demokratie, dem 9. November 1989, bewegen. „Das Anliegen war, Demokratie durch die persönliche Begegnung mit Mandatsträgern erfahrbar zu machen, und den Dialog zu stärken“, sagte Lehrerin Maria Strauß-Grobbel.
Viel mehr als die geschichtlichen Hintergründe interessierte die Schülerinnen allerdings, was für ein Mensch die Ministerin ist, und wie sich ihr Wochenarbeitsplan gestaltet.
„Wann ich morgens im Büro bin, mache ich auch davon abhängig, wie lange ich am Abend vorher unterwegs war“, sagte Ahnen, und verriet, dass sie aus einem nicht akademischen Elternhaus stammt. Ihre Mutter sei Verkäuferin gewesen, ihr Vater Vertreter. „Es gibt aber auch Tage, an denen ich um 6 oder 7 Uhr morgens losfahre auf einen Termin, irgendwo in Rheinland-Pfalz.“ Ihr Tag strukturiere sich über Gespräche mit Mitarbeitern, mit Hochschulpräsidenten oder zum Beispiel dem Lehrerverband sowie „über die Arbeit im Parlament, das ja die Regierung kontrolliert“. Ahnen: „Dass ich vor 21 Uhr zu Hause bin, ist eine absolute Seltenheit.“
Daniel Köbler stellt sich Fragen an der IGS Anna Seghers
„Was will die neue Regierung eigentlich für Jugendliche ändern?“ - „Und wie stehen Sie zu nicht eingehaltenen Versprechen der Politiker?“

