Bilder-Protest gegen Zerstörung
17.10.2011 - MAINZ
Von Angelika Wende
AUSSTELLUNG Clemens Molinaris Fotos dokumentieren, wie der Flughafenausbau in die Natur eingreift
Auf den ersten Blick wirken sie seltsam idyllisch, die großformatigen Fotografien des in Mainz lebenden Hamburger Fotokünstlers Clemens Molinari, die in den Räumen des Peng in der Rheinallee zu sehen sind. Schwarzweiße Momentaufnahmen von einer faszinierenden Ästhetik zeigen weite Felder, schneebedeckte Seen und bizarre Baumgruppen hinter Stacheldraht, menschenleere Spielplätze, verlassene Häuser und Flugzeugstartbahnen, über denen die ausgefahrenen Räder eines Airbusses schweben.
Der Schein trügt, die Idylle, ist eine vermeintliche. Das sind kunstvolle Bilder voll morbider Ambivalenz, die beim genauen Hinsehen ohne Worte sprechen, die ohne effekthascherische Inszenierung zeigen, was sich verbirgt hinter dieser landschaftlichen und urbanen Leere.
Es ist ein stiller Protest, der hier wirkt. Das scheinbare Idyll trägt in Wahrheit ein Bild der Zerstörung in sich. Es verweist auf die Ursache der unheimlichen Stille der Spielplätze, zeigt den Grund für die verlassenen Häuser und gelichteten Wälder, dokumentiert, was vor sich geht mit Natur, Städten und Menschen. Da mahnt einer, sagt in einer aufrüttelnden und zutiefst betroffen machenden Bildsprache: Halt! Seit nahezu sechs Jahren übt Molinari seinen künstlerischen Protest, macht mit seiner Fotokunst Politik. Inzwischen ist viel geschehen. Der Flughafen in Frankfurt wurde ausgebaut, dauerhafte Arbeitsplätze wurden entgegen der Versprechungen nicht geschaffen, der Fluglärm wird zunehmen. „Trotzdem, ich gebe nicht auf“, lächelt Molinari, „ich bin meine gewaltfreie Ein-Mann-Widerstandsarmee. In meinen Augen steht die Welt auf dem Kopf, wenn für den Klimakiller Flugzeug Natur geopfert wird, wenn die vom Fluglärm betroffenen Menschen so ihrer Grundrechte auf körperliche Unversehrtheit beraubt werden und Politiker die Interessen von Lobbyisten vertreten. Ich mache diese Bilder, weil ich mir eine Welt wünsche, die leben lässt, was sie atmen lässt - den Sauerstoff der Natur“, sagt Molinari und zündet unter dem auf dem Kopf stehenden Por- trät Roland Kochs drei rote Grabkerzen an.

