Budenheimer Prof. Dr. Georg May erhält höchsten katholischen Ehrentitel
11.02.2012 - BUDENHEIM
Von Beate Schwenk
Um die besondere Auszeichnung, die ihm gerade zuteil geworden ist, macht Professor Dr. Georg May nicht viel Aufhebens. Obwohl „Apostolischer Protonotar“ der höchste der drei Ehrentitel ist, die der Heilige Stuhl verleiht. „Es kommt nicht auf Titel an, sondern auf die Leistung“, bemerkt der 85-Jährige, der seit 1966 in Budenheim lebt. Die Ernennung zum „Apostolischen Protonotar“ verstehe er folglich auch mehr als eine Ehrung für die Gläubigen, die seine Messe besuchten und ihm die Treue hielten.
Der päpstliche Ehrentitel dokumentiert die Wertschätzung für „jahrzehntelanges akademisches und pastorales Wirken“ und für „die gewissenhafte Verkündigung des unverkürzten katholischen Glaubens“, wie aus dem Brief des Regensburger Bischofs Dr. Gerhard Ludwig Müller hervorgeht. Durch dieses Schreiben erfuhr Professor May Ende Dezember von der Ernennung zum Protonotar. Bischof Müller, ein früherer Schüler des Kirchenrechtsprofessors in Mainz, hatte die Ehrung beantragt. „Ich habe davon nichts gewusst“, erklärt der Geistliche. Daher sei die Mitteilung des Regensburger Bischofs für ihn eine große Überraschung gewesen.
Nach Rheinhessen hatte es Georg May, der 1946 seine schlesische Heimat verlassen musste, 1960 verschlagen. Er folgte dem Ruf an die Mainzer Johannes Gutenberg-Universität, wo er den Lehrstuhl für kanonisches Recht, Staatskirchenrecht und kirchliche Rechtsgeschichte übernahm. Zuvor hatte er zwei Jahre lang an der Philosophisch-Theologischen Hochschule in Freising gelehrt. Gemeinsam mit Joseph Ratzinger, den er bereits von der gemeinsamen Studienzeit in München kannte. Der heutige Papst Benedikt XVI. hat bei May einen tiefen Eindruck hinterlassen. „Ich habe Joseph Ratzinger als feinen und feinsinnigen Mann erlebt, dem das Amt des Gelehrten auf den Leib geschnitten ist.“
Nach zweijähriger Lehrtätigkeit in Freising wechselte May 1960 an die Universität nach Mainz, wo er bis 1994 Ordinarius war. Jahrzehntelang hat sich der Wahl-Budenheimer der Priesterausbildung gewidmet. „Ich habe stets versucht, das Ideal des guten Hirten zu vermitteln und auch vorzuleben“, so sein Selbstverständnis. Dabei habe er niemals anderen nach dem Mund geredet und auch nie dem Zeitgeist gehuldigt. Mitunter habe ihm deshalb der Wind ordentlich ins Gesicht geweht.
„Es liegt mir sehr am Herzen, nicht nur der Wissenschaft, sondern auch dem Glauben und Gott zu dienen“, betont der frühere Ordinarius, der sich trotz seines vorgerückten Alters keine Schonung auferlegt. Noch immer hat der 85-Jährige einen vollen Terminkalender. Jeden Morgen feiert er in Budenheim die Messe nach klassischem Ritus, zu der auch Gläubige von weither anreisen. Jüngst habe der katholische Pfarrer von Kairo an seiner Messe teilgenommen, erzählt der Priester. Auch als Seelsorger, Beichtvater und als Autor ist er weiter tätig. Eine Vielzahl von Publikationen stammen aus seiner Feder. Gerade hat er wieder ein neues Buch fertiggestellt. 1 600 Seiten stark ist das Werk, an dem er sechs Jahre lang gearbeitet hat.
Jeden Montag und jeden Freitag zieht es ihn an die Universität nach Mainz, wo er „eisern“ forscht und recherchiert. Und wenn es die Gesundheit erlaube, dann werde dies auch noch einige Zeit so bleiben. Schließlich hat Professor May schon wieder ein neues Projekt im Auge, für das er unter anderem im Mainzer Domarchiv recherchieren will.

